Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 8

Sonnenuntergang am Seljalandsfoss

Da war er nun also – der letzte Tag des Island-Trips, und er versprach nochmal einiges. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Es war das Highlight des Urlaubs und wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

Für den Abschluss der Reise hatte ich mir im Vorfeld nochmal einen unglaublich tollen Spot ausgesucht, welchen ich unbedingt noch besuchen wollte, bevor es wieder nach Hause ging: Die Wasserfälle Skógafoss und Seljalandsfoss in Rangárþing im Südteil der Insel.
Im Sommer, bei freien Straßen, braucht man ungefähr zwei Stunden, um von Reykjavík zum Skógafoss zu kommen. Wir allerdings benötigten gute 3,5 Stunden um Islands bekannteste Wasserfälle zu erreichen. Die Straßen waren teils noch recht vereist andernorts durch das Schmelzwasser überaus rutschig. Wirklich schnell kam man also nicht voran. Durchaus positiv stimmte aber, dass das Wetter an diesem Tag recht gut und – noch viel wichtiger – beständig bleiben sollte. Kein strahlend blauer Himmel (aber wer will das schon 😛 ) , angenehme 8° C und kein Regen. Also ein letztes Mal das kleine Mietauto in aller Frühe beladen und raus aus der Stadt Richtung Abenteuer.
Bei der Fahrt Richtung Süden fährt man nochmals an den vielen mit Moos überwachsenen Lavasteinfeldern vorbei, für welche Island so berühmt ist. War wirklich ein toller Anblick, den ich auch gern einmal im Sommer erleben möchte.

Mein Hauptziel war der Seljalandsfoss, an dem man bei der Fahrt zum Skogafoss zwangsläufig vorbei kommt. Da ich den wunderschönen Wasserfall aber unbedingt bei Sonnenuntergang erleben wollte, musste dieser „leider“ zwei Mal angesteuert werden 😀
Beim ersten Halt am Seljalandsfoss bot sich das typische Bild… Menschen, Menschen, Menschen… Der Wasserfall ist mittlerweile sehr leicht zugänglich, der Weg dahin sehr gut ausgebaut. Somit erreichen ihn natürlich auch sehr viele Touristengruppen. Auf der einen Seite sicher schön, da sich nun viele Leute an dem Wasserfall erfreuen können. Wer den Blog aber schon ein Weilchen verfolgt, der weiß aber sicherlich mittlerweile, dass große Touristen-Ansammlungen nicht unbedingt mein Reise-Highlight sind… Aber so ist das eben.
Der Seljalandsfoss ist unter anderem deshalb so beliebt, weil er eine wirklich coole Besonderheit aufweist: Man kann hinter bzw. vielmehr unter dem 66 Meter hohen Wasserfall hindurchgehen. Hinter den Wassermassen hat sich eine Art kleine, offene Höhle gebildet, durch welche man hinter dem Wasserfall entlang laufen kann. Durch die Gischt und das Spritzwasser wird man natürlich trotzdem klitschnass, aber es ist schon wirklich echt cool und ich verstehe, warum der Ort mittlerweile auf der Liste fast jeder Reisegruppe steht.
Wirklich zum Fotografieren kam ich aber hier noch nicht. Zu viele Menschen, die nahezu jeden Bildaufbau zunichte gemacht hätten. Aber das Ziel war ja ohnehin, erst einmal die Location an sich zu „scouten“ und zu sehen, wo man später am Tag dann hoffentlich „das eine“ Foto schießen könnte. Außerdem konnte man so den Ort an sich erst einmal genießen.

An dieser Stelle vielleicht mal ein kleiner „Geheimtipp“:
Unmittelbar neben dem Seljalandsfoss gibt es noch einen weiteren, weitaus kleineren und etwas versteckten Wasserfall. Den Gljúfrabúi, ein echtes kleines Juwel, was (zumindest damals) noch nicht völlig überrannt war.
Der Gljúfrabúi befindet sich circa 700 Meter vom Seljalandsfoss entfernt in einer kleinen, leicht zu übersehenden Felsspalte, in die man auch hineingehen kann und dann quasi in einer Art Grotte mehr oder weniger direkt im Wasserfall steht. Echt toll. Es empfiehlt sich aber, wirklich wasserfeste Kleidung zu tragen…
Wer nicht nass werden will, hat zudem rechts neben dem Zugang zum Gljúfrabúi die Möglichkeit, den Wasserfall trockenen Fußes zu bewundern. Nach einer kurzen Kletterpartie – teils mit Seilen, teils mit Holzleitern – kann man quasi von oben in die Grotte hinein schauen und den Wasserfall bewundern.
Ich selbst habe dort nicht viel fotografiert oder gefilmt, aber dieses Video, das ich auf Youtube gefunden habe, gibt euch einen kleinen Einblick: A „SECRET“ WATERFALL – GLJÚFRABÚI

Skogafoss
Der Skógafoss

Nachdem wir wieder zurück am Auto waren, ging es weiter zum Skógafoss, dem vielleicht bekanntesten und am häufigsten besuchten Wasserfall Islands.
Wie auch der Seljalandsfoss speist sich der Skógafoss aus dem Gletscher Eyjafjallajökull. Unter diesem befindet sich der gleichnamige Vulkan, welcher 2010 mit seinem Ausbruch für eine bis dato nie erreichte Beeinträchtigung des Flugverkehrs in Nord- und Mitteleuropa sorgte. An die Berichterstattung und die oftmals vergeblichen Versuche der Nachrichtensprecher, den Namen des Vulkans korrekt auszusprechen, können sich bestimmt viele noch erinnern.

Der Skógafoss ist ebenfalls extrem leicht zugänglich und wird somit regelmäßig von unzähligen Menschen aufgesucht. Neben den unzähligen Erinnerungsfotos der Touristen werden hier auch sehr viele Hochzeits- und Modefotos geschossen, da der Wasserfall eine stets beeindruckende Kulisse bildet. Natürlich ist der Skógafoss auch aus Instagram nicht mehr wegzudenken. Vermutlich hat jeder schon irgendwann mal Bilder gesehen, in dem einer der angesagten Influencer und Travel-Blogger in der Gischt der sich herabstürzenden Wassermassen vom Skógafoss steht.
Rechts vom Wasserfall führt ein kleiner Pfad hoch zur einer Plattform direkt neben der Klippe. Von dort aus hat man nicht nur einen genialen Blick auf den Wasserfall sondern vor allem auf das komplette Umland. Sehr empfehlenswert.

Zwischen Parkplatz und Wasserfall befindet sich übrigens eine Pferdekoppel wo man relativ nah an die berühmten Island-Pferde herankommt. Mit etwas Glück kann man die zutraulichen Tiere dort sogar streicheln.

Mittlerweile wurde es langsam Abend, weswegen es nun schnell zurück zum Seljalandsfoss ging.
Dort angekommen stellte ich ein wenig erleichtert fest, dass die Touristenmengen längst zurück in ihre Hotels gefahren wurden. Lediglich ein einzelnes Besucherpärchen und ein weiterer Fotograf waren noch am Wasserfall unterwegs. Das Wetter spielte – wie den ganzen Tag bereits – ebenfalls wunderbar mit. Es war trocken, nicht allzu windig und die Wolken waren schön aufgerissen und ließen die untergehende Sonne fast schon malerisch auf die Landschaft strahlen. Fast perfekte Voraussetzungen also.
Den Punkt, von dem auch ich fotografieren wollte, hatte ich ja bereits im Vorfeld festgelegt. Die meisten Bilder werden vermutlich frontal vor dem Wasserfall stehend oder aber sich in der „Höhle“ befindend aufgenommen. Ich wollte es mal etwas anders versuchen und stieg dafür auf den etwas steilen und vor allem sehr schlammig-rutschigen Hügel links vom Wasserfall. Auf diesem steht man dann direkt an der Felswand und kann sowohl den Wasserfall als auch die Landschaft und den Sonnenuntergang perfekt sehen. Das gilt allerdings nur für den Zeitraum (März) in dem ich in Island war. Zu anderen Jahreszeiten macht es durchaus mehr Sinn, sich eher rechts vom Wasserfall zu positionieren. Das aber nur am Rande.
Dort oben verbrachte ich dann eine sehr schöne goldene Stunde bis die Sonne schließlich untergegangen war.
Ein wirklich schöner Abschluss des Tages und des gesamten Urlaubs.

Anschließend ging es zurück zur Ferienwohnung, wo noch schnell alles für die Abreise zusammengepackt wurde. In aller Früh ging es am nächsten Morgen zurück zum Flughafen, wo zunächst das sich bis dato ganz tapfer geschlagene kleine Mietauto abgegeben wurde. Mit einer kleinen Verspätung ging es dann schlussendlich in den Flieger und zurück nach Deutschland.

Es war ein unglaublich schöner Trip in das winterliche Island und ich habe definitiv ein wenig mein Herz an diese atemberaubende, raue und doch so wunderschöne Landschaft verloren. Es war sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich das Land aus Eis und Feuer besuche. Versprochen 🙂

Seljalandsfoss
Seljalandsfoss
Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 7

Abenteuer auf Reykjanes

Nachdem das Wetter am Vortag ein weiteres Erkunden von Island ein wenig verhinderte, konnte es nun endlich wieder hinein ins Abenteuer gehen. Ein straffes Programm stand auf dem Plan und daher ging es wieder sehr zeitig los. Ziel für diesen Tag war die Halbinsel Reykjanes im Südwesten Islands. Wer nicht mit der Fähre sondern wie ich mit dem Flugzeug nach Island kommt, der kommt zwangsläufig in Reykjanes an, denn auf der Halbinsel unweit von Reykjavík befindet sich der internationale Flughafen.

Selbiger hat uns aber natürlich weniger interessiert. Umso mehr natürlich das, was die Halbinsel sonst noch so zu bieten hat – und das ist einiges.
Als erstes ging es in Richtung Reykjanesfolkvangur-Nationalpark direkt zur Küste. Während ja vor allem die endlosen schwarzen Sandstrände im Süd-Osten Islands bekannt sind, besteht die Küste im Süd-Westen primär aus Klippen und vielen großen Steinen, an denen sich die Wellen brechen und in beeindruckender Art und Weise die Kraft des Meeres demonstrieren. Diese Küstenabschnitte gelten als ziemlich gefährlich, da die Strömung unglaublich stark, die Ufer recht glatt/ rutschig und das Meer ziemlich kalt ist… Ideal also, wenn man so nah wie möglich heran will um möglichst gute Fotos machen zu können… 😀

Nachdem die Gegend eine Weile erkundet wurde, fanden wir einen recht ansprechenden Spot – eine kleine Felszunge, die direkt ins Meer ragte. Dort hinzugelangen war gar nicht so einfach, denn der „Weg“ führte nicht nur über die vielen großen und teils recht scharfkantigen Lavasteine, sondern auch immer wieder durch kleinere und größere Meerwasserbecken, die sich wohl bei den Stürmen der letzten Tage und dem extrem starken Wellengang gebildet hatten. War jedenfalls sehr spannend, diese feuchte Felslandschaft zu durchwandern.
Am Zielpunkt – also direkt am Meer – angekommen, kam ich mir auf einmal ziemlich klein vor. Es ist schon ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man diese enormen tosenden Wellen direkt vor einen sieht, wenn sie sich mit enormer Kraft an der Steinküste brechen. Das war auf jeden Fall so ein Moment, wo man einfach erst mal ein paar Minuten gar nichts gemacht hat und nur das Meer betrachtet hat. Einfach einmal kurz zur Ruhe zu kommen, den Kopf frei bekommen oder aber ein wenig in Gedanken zu versinken – dafür war der Ort auf jeden Fall genau richtig. Für Fotos bot sich der Ort aber natürlich auch gut an. Mit kurzen Verschlusszeiten konnte ich zumindest ansatzweise die Kraft des Meeres einfangen. Nach einiger Zeit hab ich aber dann wieder den guten alten ND-FIlter aufgeschraubt und versucht, das Wasser mittels Langzeitbelichtung in Nebel zu verwandeln um ein paar eher mystische Bilder zu machen.

Nass wurde ich hierbei natürlich auch… Wer konnte schon ahnen, dass die Wellen mit dem Einsetzen der Flut plötzlich bis zu meiner kleinen Fotoplattform kommen sollten 😀

Kurze Zeit später haben wir den Küstenabschnitt dann verlassen, da das Wasser wirklich recht schnell stieg und wir natürlich keine unnötigen Risiken eingehen wollten. Also die steinige Strecke zum Auto zurück marschiert und zum nächsten Punkt auf der Tagesliste begeben – der „Brücke über die Kontinente“.

Wie der ein oder andere sicher weiß, liegt Island exakt auf zwei aufeinandertreffenden Kontinentalplatten.
An der exakten Stelle, an der sich die beiden tektonischen Platten begegnen, findet sich eine kleine Schlucht, über welche eine Brücke führt.
An dieser Stelle kann man also wortwörtlich von der eurasischen Platte auf die nordamerikanische und wieder zurück spazieren. Zwischen den beiden Kontinentalplatten kann man übrigens sogar tauchen. In der Nähe der Brücke über die Kontinente befindet sich die mit Wasser gefüllte tiefe Felsspalte, in der regelmäßig geführte Tauchtouren angeboten werden. Für mich ging es aber als nächstes weiter Richtung Gunnuhver, dem „Geothermal Wonderland“. Hierbei handelt es sich um ein Gebiet mit sehr hoher geothermischer Aktivität, welche sich vor allem in Form von brodelnden Schlamm- und Wasserbecken, aufsteigenden Dämpfen und natürlich dem alles überschattenden Geruch von Schwefel und ähnlichen Gasen zeigt. Überall im gesamten Gebiet finden sich hier Warnhinweise. Der Boden ist abseits der Wege teils so heiß, dass er Schuhsohlen schmelzen kann. Ssowohl Wasser als auch die aufsteigenden Dämpfe sind giftig und zu alledem wurde das Gebiet auch noch nach einem bösen Geist benannt, der hier vor 400 Jahren sein Unwesen getrieben haben soll… Das Gebiet von Gunnuhver könnte also genauso gut mitten in Mordor liegen 😀

Besonders markant in diesem Geothermalgebiet waren auch die Farben, die in dem mineralhaltigen Boden zum Vorschein kamen. Völlig surreal war auch, dass man keine 5 Meter von großen Schneewehen plötzlich auf brodelnde Quellen mit Temperaturen von bis zu 100° C stieß. „Das Land von Feuer und Eis“ – es hat schon seinen Grund, dass Island diesen poetischen Beinamen trägt.

Als nächster Punkt auf der Liste stand die Steilklippe Valahnjúkur. Zu dieser Klippe kommt man recht einfach. Man kann quasi fast mit dem Auto heranfahren. Der Pfad hoch zum Aussichtspunkt ist ebenfalls recht leichtgängig. An der Klippe selbst sollte man allerdings Vorsicht walten lassen. Es gibt dort keinerlei Absperrungen oder Geländer. Wenn man unvorsichtig ist, kann es hier recht schnell böse enden… Die Aussicht ist dafür aber wirklich beeindruckend. Direkt vor der Klippe bohren sich – fast schon wie Finger – einige große Steine aus dem Meer. Der größte dieser Felsen ist der Sage nach ein Troll, der beim Fischen von der aufgehenden Sonne überrascht und von dieser zu Stein verwandelt wurde.
Auf diesen Felsen und auch an der Klippe selbst nisten unzählige Möwen, die zusätzlich zum tosenden Meer für einen nicht unerheblichen Lärmpegel gesorgt haben.

Ein paar Meter von der Klippe entfernt steht dann noch eine Statue des letzten großen Auk. Die Auk waren eine im Nordatlantik heimische Vogelart, die bis zu ihrer Ausrottung 1844 auch auf Island heimisch waren und auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Pinguin und Kormoran aussah (allerdings weder mit dem einen noch mit dem anderen verwandt war).

Der vorletzte Punkt, der für diesen Tag noch auf unserer Liste stand, war das Geothermalgebiet Seltún.
Wie beim Gunnhuver gibt es hier große, blubbernde Schlammtöpfe und die typischen farbigen Ablagerungen auf der rotbraunen Erde. Die Fahrt dahin ist etwas abenteuerlich, zumindest wenn man bislang noch nie auf einer der isländischen „Gravel Road“ – einer unbefestigten Schotterstraße – unterwegs war. An sich aber kein Problem.
Am Ziel angekommen leuchten einem die aufgerissenen Hügel in allen erdenklichen Erdtönen von ocker, braun und rot entgegen. Sieht wirklich toll aus und bietet einen schönen Kontrast zum schwarzen Vulkanstein, der große Teile der isländischen Landschaft prägt. Direkt vom Parkplatz aus führt ein markierter Weg (später auch Holzstege) durch das Thermal-Gebiet mit den heißen Quellen und übel riechenden Schlammlöchern.

Das Seltún-Gebiet gehört übrigens zum Krýsuvík-Vulkansystem, welches wahrscheinlich gegen 1340 letztmals ausgebrochen ist, aber – wie man anhand der brodelnden Schlammbecken sehen kann – immer noch sehr aktiv ist.

Zum Abschluss des Tages haben wir dann nochmal den komplett zugefrorenen See Kleifarvatn besucht. Den ca. 97 Meter tiefen See und die gesamte Landschaft um uns herum schienen wir komplett für uns allein zu haben. Keine Häuser und Menschen weit und breit. Einzig die große Eisfläche vor uns und die schwarze Lavasteinlandschaft um uns herum. Hier wurde wieder einmal Islands unglaubliche Weite und die (leider nachlassende) Unberührtheit der Natur sichtbar. Freiheit pur.

Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 6

Ein Tag in Reykjavík

Der heutige Eintrag über meinen Island-Trip fällt ein wenig kürzer aus. Warum das so ist, erfahrt ihr im Laufe des Textes. Die nächsten Einträge werden dann wieder umfassender ausfallen. Versprochen 😉
Nach dem doch recht ereignisreichen Vortag sollte der vierte Tag des Island-Trips deutlich weniger abenteuerlich ausfallen. Aufgrund von extremen Windstärken im kompletten Südteil Islands – aber auch, weil die Strapazen des vorherigen Tages noch etwas in den Knochen steckten – wurde der gesamte Tag in Reykjavík verbracht. Etwas anderes hätte auch wirklich nicht viel Sinn gemacht, denn wer steht schon gern bei derartigen Stürmen an irgendwelchen Klippen herum.
Der erste Trip in den Süd-Osten Islands wurde daher auf den Folgetag verschoben und stattdessen noch etwas Sightseeing in Reykjavík betrieben und Lebensmittel eingekauft.

Zuerst ging es zur Harpa, dem schönen Konzert- und Konferenzhaus von Reykjavík. Das Besondere an diesem Gebäude ist die wabenartige Struktur der aus Kristallglas bestehenden Außenfassade. Durch diese wird das einfallende Tageslicht je nach Intensität und Wetter unterschiedlich gebrochen, was für ein wirklich schönes Licht- du Farbenspiel im Innern sorgt.
Nach der Harpa musste dann erstmal etwas zu Essen her… und da bot es sich natürlich direkt an, den (laut Aussagen des Forbes Magazines) „berühmtesten Hotdog-Stand der Welt“ aufzusuchen, welcher nur zehn Minuten von der Harpa entfernt ist. Die Geschichte zu diesem kleinen Imbiss-Stand ist eigentlich sehr kurz erzählt aber trotzdem recht unterhaltsam: Im August 2004 besuchte der US-Ex-Präsident Clinton Reykjavík und kam dabei an besagtem Stand vorbei. Die Verkäuferin erkannte ihn sofort und bot ihm einen ihrer verschiedenen Hotdogs an. Er bestellte einen, es wurde ein Foto gemacht, welches um die Welt ging und einen regelrechten Hype auslöste. Seitdem scharen sich jeden Tag unzählige Touristen um den kleinen Fastfood-Stand um eines der berühmten Hotdogs zu bestellen. Im Laufe der Jahre gesellten sich auch noch weitere Promis wie bspw. die Band Metallica, diverse Schauspieler aus „Game of Thrones“ und Ben Stiller, welcher damals gerade den fantastischen Film „The Secret Life of Walter Mitty“ auf Island drehte. Alle Stars wurden übrigens auf einer Fotowand neben dem Hotdog-Stand verewigt. Ob die Hotdogs dem Hype gerecht werden, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich hatte einen „ein með öllu“ also einen mit allem: Würstchen aus Lammfleisch, Ketchup, Senf, gebratenen und rohen Zwiebeln, Remoulade und Mayonnaise. Der war ziemlich lecker, dafür aber auch nicht sehr groß. Einen zweiten wollte ich mir dann aber nicht bestellen, denn die Warteschlange war schon wieder auf knapp zwanzig Leute angewachsen…

Harpa
Die Glas-Fassaden der Harpa

Sonst ist an diesem Tag nicht mehr wirklich viel passiert. Noch fix im Bonus, der örtlichen Supermarktkette, eingekauft und zurück in der Ferienwohnung dann Pläne für den nächsten Tag geschmiedet.
Abends ging es dann aber – trotz leichten Regens – doch noch einmal raus. Ich wollte unbedingt nochmal zur bekannten Schiffsskulptur an der Bucht von Reykjavík.
Die Sólfar (dt. Sonnenfahrt) wurde einem Wikingerschiff nachempfunden und steht genau an der Stelle, an der vor vielen hundert Jahren die Wikinger ansiedelten und als erste Siedler Islands einen Hof anlegten. Die Skulptur gehört zu den am meisten fotografierten Motiven von ganz Reykjavík. Aufgrund des nicht gerade angenehmen Wetters hatten wir sie allerdings an diesem Abend ganz für uns allein.

Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 5

Auf den Spuren von Jules Verne

Da saßen wir nun also in unserem kleinen Suzuki und harrten der Dinge, die da noch kommen würden. Um uns herum war alles weiß, mit ganz viel Glück konnte man zu unserer Rechten ab und an mal die Fellswand der Rauðfeldsgjá erahnen… Primär betrug die Sichtweite aber gefühlt nur knapp 50 Meter.
Nach einiger Zeit lichtete es sich allerdings wieder etwas. Wir beschlossen, uns nicht entmutigen zu lassen und setzen uns in Bewegung – Ziel war schließlich nach wie vor, den Kirkjufell zu erreichen.

Einen weiteren interessanten Zwischenstopp hatten wir uns vorab noch herausgesucht. Die Vulkansteinhöhle Vatnshellir, unweit vom Vulkan Snæfellsjökull. Im Schneckentempo ging es nun also immer weiter Richtung Westen. Die Sicht war nach wie vor sehr schlecht und wir mussten wirklich aufpassen, überhaupt auf der Straße zu bleiben. Mittlerweile hatte es auch wieder angefangen zu schneien.

Wie lange wir letztlich für die knapp 13 Kilometer von der Rauðfeldsgjá zur Vatnshellir gebraucht haben, kann ich nicht mehr genau sagen. Es zog sich aber schon ein Weilchen 😀
Durch die schlechten Witterungsbedingungen – aber auch weil ich es zugegebenermaßen schlicht vergessen hatte – haben wir auf dieser Strecke leider verpasst, einen Zwischenstopp am Londrangar einzulegen. Die schönen Basalt-Felsnadeln sollen bei entsprechender Sicht ein wirklich tolles Panorama bieten. Durch Wolken, Schnee und Sturm hätten wir an diesem Tag aber wahrscheinlich ohnehin nicht viel gesehen, daher ließ sich das vorerst verschmerzen. Vorerst ging es also immer weiter die Útnesvegur (der einzigen größeren Straße auf Snæfellsnes) westwärts entlang.

Irgendwann tauchten dann aber am rechten Straßenrand tatsächlich ein kleiner Parkplatz und ein winziges, grün angestrichenes Häuschen auf. Und das Beste: Auf dem Parkplatz standen tatsächlich zwei Autos. Die ersten Hinweise auf Menschen, seit wir am Morgen Reykjavík verlassen hatten 😀
Guter Dinge haben wir unser Auto dann direkt daneben gestellt und uns in das kleine, aber zum Glück gut beheizte Häuschen begeben. Dort trafen wir dann zwei weitere Touristen und Ægir, den Besitzer und Guide, der die Führung durch die Höhle übernehmen sollte. Wir hatten Glück, denn die nächste Tour sollte in ungefähr 15 Minuten starten. Mit 3250,00 Kronen (ca. 24,00 €) pro Person war die Tour zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber wir haben trotzdem nicht lange gezögert und uns von Ægir mit Helm und Grubenlampen ausstatten lassen. Da es unwahrscheinlich war, dass in absehbarer Zeit noch weitere Leute zu unserer Gruppe dazu stoßen würden, haben wir uns nach einer kurzen Sicherheitseinweisung gleich in Richtung Höhle aufgemacht.
Als wir die kleine Hütte verließen, blies es uns aber wortwörtlich beinah um. Der Wind hatte unwahrscheinlich zugenommen und die knapp 50 Meter vom Parkplatz zum Eingang der knapp 8000 Jahre alten Höhle waren ein richtiger Kraftakt.
Der Einstieg in die Höhle selbst erfolgt durch eine ca. 8 Meter hohe Wendeltreppe, zu welcher man durch ein kleines Metall-Silo gelangt. Dieses ist in den schneefreien Monaten problemlos zu erreichen, war bei unserem Besuch aber unter einer mehrere Meter dicken Schneedecke verborgen, in welche die Höhlen-Crew einen schmalen Zugang gegraben hatte.

Vattnshellir Eingang
Der „Zugang“ zum eigentlichen Eingang der Höhle (von innen aus gesehen)

In der Vatnshellir herrscht das gesamte Jahr über eine Durchschnittstemperatur von ziemlich konstanten 6° C. Es empfiehlt sich also definitiv warme Kleidung und vor allem festes Schuhwerk, da der Boden mit sehr viel spitzen Steinen und losem Geröll überseht ist – kein Problem für uns, da wir ja sowieso in Winterklamotten unterwegs waren. Ægir erzählte uns aber, dass er – vor allem in den Sommermonaten – schon des Öfteren Touristen abweisen musste, die die Höhle mit Flipflops oder gar High Heels betreten wollten 😀
In der unteren Etage der Vulkanhöhle, zu welcher man über eine nochmals circa 12 Meter hohe Wendeltreppe gelangt, befindet man sich letztendlich ungefähr 32 Meter unter der Erde. An dieser Stelle sollten wir dann sämtliche Lichter ausschalten und einfach einmal die absolute Dunkelheit auf uns wirken lassen. Das war eine ziemlich coole Erfahrung.
Alles in allem dauerte die Tour knapp 45 Minuten und unser Guide hat uns viele spannende Infos über Vulkansteinhöhlen und deren Entstehung erzählt. Interessant ist die Vatnshellir zudem wegen ihrer vielen abstrakten und teils in den verrücktesten Farben schimmernden Felsformationen. Die Farben würden laut der Erklärung unseres Guides wohl durch eine besondere (für uns natürlich völlig harmlose) Bakterienart entstehen. Diese soll aber recht lichtempfindlich sein, weswegen man sie nach Möglichkeit nicht lange anleuchten oder mit Blitzlicht fotografieren sollte.

Was die Vatnshellir aber letztlich von allen anderen Höhlen abhebt bzw. was sie so bekannt macht, ist die Tatsache, dass sie eine tragende Rolle im 1864 erschienenen Literatur-Klassiker „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ inne hat. In dem bekannten Fantasy-Roman von Jules Verne bildet die Höhle den Zugang zum Mittelpunkt der Erde, welchen Professor Otto Lindenbrock und seine Gefährten mithilfe eines alten isländischen Manuskripts (wieder-) entdecken.

„Steig hinab in den Krater des Sneffels Yocul, welchen der Schatten des Skartaris vor dem ersten Juli liebkoset, kühner Wanderer, und Du wirst zum Mittelpunkt der Erde gelangen. Das hab ich vollbracht.“
– Jules Verne, „Reise zum Mittelpunkt der Erde“

Wir wurden dort unten allerdings weder von Sauriern angegriffen noch kamen wir am Ende der Tour unerwarteterweise plötzlich in Sizilien wieder ans Tageslicht 😀
An sich aber dennoch ein schönes Erlebnis und ich kann einen Besuch in der Vatnshellir definitiv empfehlen – sofern man weder an ausgeprägter Platz- oder Höhenangst leidet oder sich im Dunkeln fürchtet 😉

Vattnshellir
Querschnitt (von nordicvisitor.com)
Die erste Wendeltreppe von innen gesehen

Nachdem die Tour beendet war und wir wieder an die Oberfläche zurückkehrten, folgte aber gleich ein richtiger Dämpfer… Der zuvor schon extrem starke Wind war mittlerweile zu einem unglaublich heftigen Sturm angewachsen. Wir flüchteten uns erst einmal alle in Ægirs kleine Hütte, von wo aus dieser mit den Parkrangern, welche weiter im Nordwesten stationiert waren, Funkkontakt aufnehmen wollte. Kurz darauf dann die endgültige Ernüchterung: Der Sturm sollte schon beinahe Blizzard-artige Züge annehmen. Aufgrund dessen wurde die Straße von der Polizei komplett gesperrt. Eine Weiterfahrt wurde nicht nur verboten sondern wäre zudem unglaublich gefährlich gewesen. Das war nun also das endgültige Aus für meinen Plan, zum Kirkjufell zu gelangen… Die Enttäuschung war natürlich erst einmal ziemlich groß, schließlich sollte das eines der Highlights meines Island-Trips werden. Mit Blick auf unser kleines, definitiv nicht für heftige Island-Winterstürme ausgelegtes Auto beschlossen wir, kein unnötiges Risiko einzugehen und machten uns auf den Rückweg nach Reykjavík. Je weiter wir nach Osten kamen, desto besser wurde auch das Wetter wieder. Es war wie verhext… Auf unserem Rückweg konnten wir glücklicherweise eine etwas andere Route nehmen, wodurch wir nochmals zu einigen schönen Fotospots entlang der Küste kamen und somit der Tag doch noch mit einigen abschließenden Highlights versüßt wurde. Alles in allem ein ereignisreicher und sehr abenteuerlicher Tag, auch wenn er letztlich nicht so ablief, wie ich es im Vorfeld geplant hatte.

Landschaft

Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 4

Whiteout auf dem Weg zum Einsamen Berg

Für den dritten Tag wollte ich dann endlich einen der schönsten Spots Islands und einen ganz besonderen Punkt auf meiner Wunschliste aufsuchen: Den Kirkjufell. Als wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen Islands ist der einsame Berg auf der Halbinsel Snæfellsnes sicherlich vielen schon einmal bei Instagram, Facebook oder in einem Reisemagazin unter die Augen gekommen. Wahrscheinlich meist mit Blick auf den sich unmittelbar davor befindenden Wasserfall Kirkjufellsfoss. Und genau da wollte ich hin, denn dieses Motiv will jeder halbwegs ambitionierte Landschaftsfotograf unbedingt in seinem Portfolio haben – unabhängig davon, dass es schon unzählige Male abgelichtet wurde und längst ein Anlaufpunkt für Instagram-Touris geworden ist.
Der Berg selbst ist so markant und einzigartig, dass er bereits in vielen Filmen und Serien als Kulisse dienen durfte. So war er beispielsweise auch in der HBO Blockbuster-Serie Game of Thrones als „Die Pfeilspitze“ zu sehen (Staffel 7, Episode 6 😉 ).
Es gibt zudem Vermutungen, dass der Kirkjufell J.R.R Tolkien als Inspiration für den Einsamen Berg/ den Erebor (einem wichtigen Handlungsort in den Mittelerde-Büchern) diente. Die Verbindung zu Island in Tolkiens Werken ist übrigens so interessant, dass ich einen entsprechenden Artikel darüber plane. Bleibt gespannt 🙂

Doch vorerst zurück zur Odyssee auf Islands fotogenster Halbinsel.
Snæfellsnes sollte neben dem bekannten Berg auch noch einige andere tolle Sehenswürdigkeiten aufweisen, welche sich idealerweise direkt auf der zuvor herausgesuchten Route befanden. In der Theorie klang es also schon einmal nach dem perfekten Trip.
So klingelte also recht früh der Wecker, unser kleines Mietauto wurde notdürftig vom Schnee befreit und schon konnte die (laut Google Maps) angeblich nur knapp 2, 5 stündige Fahrt gen Snæfellsnes losgehen.
Schon kurz nachdem wir Reykjavik verlassen hatten, fiel aber besonders eines ins Auge: Schnee. Je weiter wir in den West-Teil der Insel vordrangen, desto heftiger schneite es. Ich war trotzdem guter Dinge, schließlich hatte ich den gesamten Urlaub das isländische Sprichwort im Ohr: „Wenn dir das Wetter auf Island nicht gefällt, warte einfach 10 Minuten.“ In der Tat ändert sich das Wetter auf der Insel der Trolle und Elfen wirklich gefühlt mit jedem Wimpernschlag. Und so ließ der Schneefall tatsächlich irgendwann nach und wir konnten die tolle Route genießen. Links von uns das schier endlose Meer, rechts von uns Islands traumhafte Landschaft, herausgeputzt als Winter-Wunderland. Erster Zwischenstopp auf dem Weg zum schönsten Felsklotz Islands war dann nach einiger Zeit die Schlucht Rauðfelsdsgjá.

Raudfeldur
Der Eingang zur Klamm von der Straße aus gesehen

Ziemlich unscheinbar am Straßenrand fand sich irgendwann ein kleiner Wegweiser, welchen man – sofern man nicht weiß, dass in der Nähe ein Seightseeing-Spot ist – locker übersehen würde. Genau wie die Schlucht selbst, welche man vom Auto aus kaum wahrnimmt. Vor allem, wenn wie in unserem Fall alles extrem zugeschneit ist…
Zum Glück hatten wir den Hinweis aber rechtzeitig mitbekommen. Laut Google Maps sollte es sogar eine kleine Zufahrt zur Schlucht geben. Diese war durch die extremen Schneemassen aber unauffindbar, weshalb wir unser kleines, aber sich bis dahin tapfer schlagendes Auto direkt am Straßenrand geparkt hatten. Schnell die Kameras geschnappt und Richtung Schlucht marschiert. Für die knapp 300 Meter von der Straße zum Eingang der Schlucht (bzw. der Klamm wie es wohl fachlich korrekter ausgedrückt wäre) haben wir sicher gute 35 Minuten wenn nicht sogar mehr gebraucht. Der Schnee war teils hüfttief, ein Vorankommen war durch das ständige Einsinken nur sehr langsam möglich. Dazu kam, dass der Schneefall zwar aufgehört hatte, der Wind dafür aber immer mehr zunahm. Zudem hatten die Wolkendecke nun eine sehr starke Dichte angenommen, war nahezu komplett weiß und ohne jegliche Struktur. Das ist nicht nur aus fotografischer Sicht extrem doof (es gibt nichts langweiligeres als ein Foto mit komplett weißem oder aber strahlend blauem Himmel 😛 ) sondern sollte auch ein Vorbote auf das sein, was uns später am Tag noch bevorstehen würde.
Vorerst ließen wir zwei uns davon aber nicht weiter beirren und marschierten weiter auf den Schlund der Klamm zu.
Dort angekommen fiel dann zunächst der stetig ansteigende Lärmpegel auf. Dieser kam aber nicht vom Fluss, der sich in der Schlucht befinden sollte, sondern von den unzähligen Möwen, die an den Steilwänden innerhalb der Klamm nisteten. Während sich im Sommer wohl doch ab und an mal ein Tourist in die Schlucht begibt, war der Anblick von uns zu dieser Jahreszeit wohl doch ziemlich ungewohnt für die Tiere, weswegen einiges Durcheinander in der Kolonie aufkam.

Die Felsen der Schlucht sind teils komplett mit Moos bewachsen, was im Sommer sicher ein wirklich toller Anblick ist. Die Felsen selbst sind aber sehr schroff, der Weg teils sehr unwegsam. Darüber hinaus gibt es in der Schlucht einige recht schmale Stellen. Leuten mit ausgeprägter Platzangst würde ich daher eher von einem Besuch abraten. Für mich war das Erkunden allerdings ein echtes Abenteuer und ich würde die Schlucht liebend gern noch einmal ohne diese ganzen Schnee und Eismassen erkunden. Diese sorgten nämlich nicht nur dafür, dass man mit jedem Schritt damit rechnen musste, in den sich darunter befindenden kleinen Fluss zu treten, vielmehr machten sie bei ungefähr halber Strecke ein Weiterkommen vollends unmöglich. In einem größeren Hohlraum war Schluss, da der Weg durch eine etwas erhöhte aber sehr schmale Felsspalte weiterführte. Diese war aber fast vollständig von Schnee verschlossen. Das war in sofern schade, als dass somit der versteckte Wasserfall, der sich am Ende der Schlucht befinden sollte und den man im Sommer sogar mittels eines sich mitten darin befindenden Seils erklettern kann, nicht erkundet werden konnte. Wir haben uns also mit dem breiten Hohlraum begnügt, welcher aber auch einen tollen Anblick bot. Hier passierte dann allerdings etwas, was glücklicherweise gut ausging, mit etwas Pech aber wirklich übel hätte enden können…

Raudfelsdsgja
Ich in der Rauðfelsdsgjá Klamm

Während wir den Hohlraum erkundeten und Fotos schossen, wurde eine wohl besonders schreckhafte Möwe weit oben im Felsen so sehr aufgeschreckt, dass sie entweder eine Schnee- bzw-Eisplatte oder etwas Geröll vom Fels löste. Es folgte eine typische Kettenreaktion, immer mehr Material geriet in Bewegung und schließlich stürzten etliche Kilo Schnee nach unten. Leider stand mein Bruder zu diesem Zeitpunkt exakt an dieser Stelle und wurde samt Kamera direkt getroffen. Ihm ist wie gesagt glücklicherweise nichts weiter passiert. Nicht auszudenken aber, was passiert wäre, wenn noch mehr Schnee und Eis zu Boden gestürzt wäre. Mitten in der Schlucht, weit und breit keine Menschenseele… Nun ja, da möchte ich nur ungern genauer darüber nachdenken.
Es ist zum Glück nichts passiert und nach einigen coolen Fotos haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Die Wolkendecke wirbelte während unseres Abenteuers in der Klamm einige Male kurz auf, was für eine nette Zeichnung/ Struktur im Himmel und somit schönere Fotos sorgte. So schnell wie die Wolkendecke aufriss, so schnell zog sie sich aber auch wieder zu und nach wenigen Minuten war wieder die undurchdringliche weiße, komplett strukturlose Decke über allem.
Wieder aus der Schlucht heraus machte sich dies dann vollends bemerkbar und zwar in Form von kompletter Leere…
Einen Whiteout hatte ich bis dahin noch nie selbst erlebt, aber als ich aus der Schlucht heraus kam, war sofort klar, warum dieses Wetterphänomenen so berüchtigt ist und keinesfalls unterschätzt werden sollte.
Kleine Erklärung: Als Whiteout bezeichnet man ein Phänomen, welches bei komplett schneebedecktem Boden und stark gedämpftem Sonnenlicht (zB. durch Bewölkung, Nebel oder Schneefall) auftreten kann. Aufgrund des extrem diffusen Lichts (durch die komplett strukturlose, dichte Wolkenschicht) und der damit geringen Leuchtdichte kommt es für unsere Augen zu einer starken Kontrastverringerung. Das komplette Blickfeld scheint gleichmäßig hell zu sein. Das hat ein Verschwinden des Horizontes zur Folge. Boden und Himmel gehen quasi nahtlos ineinander über. Auch Konturen oder Schatten sind nicht mehr erkennbar und der Beobachter hat das Gefühl, sich in einem endlosen weißem Raum zu befinden. Während unter anderen Umständen hier durchaus Vorsicht geboten wäre, war für mich in dem Moment der Anblick in erster Linie nur extrem faszinierend. Es sah einfach unglaublich surreal aus.
Allzu viel passieren konnte in unserem Fall ohnehin nicht. Zum einen hatten wir die Felswand im Rücken, welche uns als Fixpunkt diente, zum anderen war es zum Auto nicht allzu weit. Ein Verirren war also hier eher unwahrscheinlich 😀
Zurück am Auto konnten wir dann überlegen, wie es weitergehen sollte. Schließlich war das Ziel des Tages ja nach wie vor, Snæfellsnes zu durchqueren und zum Kirkjufell zu kommen. Die Sichtweite auf der Straße betrug nun allerdings nicht mal mehr 50 Meter. Es blieb also zunächst erst einmal nichts anderes übrig, als an der vermeintlichen Zufahrt von Rauðfelsdsgjá im Auto zu warten, ob auf das bekannte Sprichwort verlass war und das Wetter vielleicht doch noch umschwang.
Wie das letztlich ausging und was und beim Versuch, den Kirkjufell zu erreichen noch so passiert ist, könnt ihr dann im nächsten Eintrag lesen 😉

Troll
Der Halbtroll Bárður

Zur Rauðfelsdsgjá-Schlucht gibt es übrigens – wie zu nahezu jedem interessantem landschaftlichem Spot in Island – eine aus dem Mittelalter bzw. der Wikingerzeit stammende Sage. So sollen in der Schlucht vor vielen Jahren die Brüder Rauðfeldur und Sölvi mit der Tochter des Halbtrolls Bárður gespielt haben. Der Sage nach verschwand das Mädchen dabei auf mysteriöse Weise. (Es wird angenommen, dass die Saga hierbei auf ein Gewaltverbrechen anspielen soll). Aus lauter Wut über den Verlust seiner Tochter soll Bárður daraufhin die beiden Brüder in die Schlucht hinab gestürzt haben. Gemäß der Erzählung sollen noch heute die Geister der Beiden in der Schlucht ihr Unwesen treiben und für das unerklärliche Verschwinden von ahnungslosen Reisenden verantwortlich sein.

Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 3

Der Golden Circle

Endlich ein „richtiger“ Urlaubstag 😀
Raus aus der Stadt, rein ins Abenteuer. Nachdem wir unseren kleinen Suzuki von einer dicken Schneedecke befreit hatten, ging es los Richtung Golden Circle.
Der Golden Circle ist eine Route vorbei an vielen bekannten und bestens erschlossenen Sightseeing-Spots… quasi eine der Routen, wo du unter Garantie auf unzählige Touri-Gruppen triffst…
Trotzdem wollten wir natürlich die tollen Sehenswürdigkeiten sehen und somit ging es an diesem Tag relativ zeitig los Richtung Þingvellir Nationalpark. Dort gab es eine kleine Wanderroute mitten durch den verschneiten Nationalpark. Nicht übermäßig spektakulär, aber trotzdem sehr schön und ein guter Einstieg in unser Island-Abenteuer. Hier hielten sich sogar die Touristen-Massen noch etwas zurück – wahrscheinlich weil die Wege teils recht vereist waren und etliche der unter einer dicken Schnee- und Eis-Schicht liegenden Treppen nur durch eine Art bezwungen werden konnten: Hinsetzen und runterrutschen. Gab ein paar blaue Flecken am Hintern aber den Spaß war es definitiv wert 🙂

Eistreppen
Einige Treppen konnten nur auf einen Weg bezwungen werden…

Þingvellir ist übrigens nicht nur ein Nationalpark, sondern auch ein historisch bedeutsamer Ort. Zur Zeit der Besiedlung Islands liefen hier Reitpfade aus allen Teilen des Landes zusammen, denn hier fand das alljährliche Alþing, die Volksversammlung statt. Dabei wurde die Verfassung verlesen, neue Gesetze beschlossen und insgesamt ein großes Volksfest gefeiert, das unter anderem auch als Partnerbörse diente 😀
Aus der Versammlung leitete sich übrigens auch der Name Þingvellir (gesprochen Thingvellir) ab. Þing (Thing) = Volksversammlung und Völlur = Feld, Ebene. Aber das nur am Rande^^

Nachdem wir den Rundwanderweg bewältigt hatten, ging es weiter zum Heißwassertal Haukadalur.

Geysire gibt es im geothermal sehr aktiven Island einige. Die Bekanntesten sind der große Geysir und der direkt daneben liegende Strokkur. Während der große Geysir nur noch sehr, sehr selten ausbricht, spukt der Strokkur noch sehr zuverlässig aller zehn bis zwanzig Minuten eine beeindruckende Heißwasserfontäne. Hier zeigte sich der Golden Circle aber auch erstmals von seiner… nunja, eher wenig ansprechenden Seite.
So toll die Sehenswürdigkeiten und Naturwunder entlang des Golden Circles auch sind, so stark frequentiert sind sie auch. Dadurch, dass man an fast alle Spots nahezu direkt mit dem Auto heranfahren kann und fast alle zudem auch mehr oder weniger gut ausgebaut wurden, trifft man natürlich auch alle fünf Meter auf riesige Reisegruppen. Natürlich habe weder ich noch sonst jemand das alleinige Recht, die Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Es mag daher etwas vermessen klingen, sich über andere Touristen zu beschweren. Aber nichts desto trotz ist es für mich einfach extremst befremdlich zu sehen, wie diese riesigen – überraschenderweise meist asiatische – Gruppen von Spot zu Spot geschleift werden, dort alles platt trampeln und die Plätze vermüllen, sich um die „besten Plätze“ streiten, dann zwei, drei mal den Auslöser ihrer Fotoapparate drücken und anschließend direkt wieder in den Bus springen um zum nächsten Spot gekarrt zu werden… Mit dieser Art des „Urlaub machens“ werde ich mich wohl nie recht anfreunden können. Aber natürlich kann das jeder machen wie er mag. Ich bevorzuge dann doch eher den komplett selbstgeplanten, unabhängigen Abenteuerurlaub… das Vagabunden-Dasein sozusagen 😀

gullfoss
Der Wasserfall Gullfoss

Glücklicherweise sollten unsere letzten beiden Punkte an diesem Tag schon eher in diese Richtung gehen.
Nach dem Geysir sind wir direkt zum Gullvoss, dem „goldenen Wasserfall“ gefahren, einem der bekanntesten Wasserfälle Islands. Am Parkplatz angekommen haben wir uns zunächst gewundert, dass wir scheinbar fast die einzigen Besucher waren. Und das, obwohl der Gullvoss auch ausgezeichnet zu erreichen ist. Als wir ausstiegen, merkten wir aber recht schnell, dass das wohl seine Gründe hatte. Etliche Wege waren aufgrund von massiver Vereisung komplett gesperrt, auf allen anderen Wegen befanden sich Warnhinweise. Weitaus relevanter wird aber der unfassbar starke Wind gewesen sein… Am Parkplatz, der von einigen Hügeln geschützt wurde, hat man davon noch nicht viel gemerkt. Als wir besagte Hügel aber hinaufgestiegen sind und nun quasi auf gleicher Höhe mit dem Fluss Hvítá waren, hat es uns fast umgeworfen, so stark waren der Wind dort. Zudem schleuderte einem der Wind nonstop kleinere und größere Eisstücke ins Gesicht, was zeitweise richtig schmerzhaft war, vor allem aber nicht sonderlich gut für die Kamera war… Aber natürlich hielt uns das nicht weiter auf. Bis zur Klippe des Wasserfalls hatten wir uns vorgekämpft und konnten endlich Stative und Kameras aufbauen. War etwas schwierig, die Objektive vor den herumfliegenden Eiskristallen zu schützen, aber irgendwie ging es letztlich und wir konnten einige coole Bilder machen. Ich bin ja jedes mal erstaunt darüber, dass die Sicherheitsbestimmungen an derlei gefährlichen Spots eher lasch und kaum vergleichbar mit deutschen Standards sind. Egal ob man nun in Norwegen, Schweden oder Island ist und an einer Klippe, einem reißendem Fluss oder sonstwo steht – nirgendwo sind Geländer oder Zäune. Allenfalls Warnhinweise ála „Achtung: Hier könntest du sterben“ 😀 Für seine Sicherheit ist man also oftmals selbst verantwortlich, was – etwas gesunden Menschenverstand vorausgesetzt – auch kein Problem darstellt.
Allzu lang hielten wir es aber dann doch nicht in diesem wirklich eisigen Wind aus und machten uns stattdessen auf, unseren letzten Spot an diesem Tag anzusteuern, den Oxararfoss.

Der Oxararfoss ist einer der weniger bekannten Wasserfälle Islands… völlig zu Unrecht wie ich finde. Aber das hat natürlich den Vorteil, dass man dort nicht von chinesischen Reisegruppen zertrampelt wird^^
Dafür sorgt vielleicht auch, dass man ihn nur durch eine kleine Wanderung erreichen kann, was sicher auch den ein oder anderen abschrecken würde. Für mich klang das jedenfalls perfekt 😀
Also einige Zeit durch den tiefen Schnee gestapft um dann vor einem nahezu komplett zugefrorenen Wasserfall zu stehen. Ich kannte bislang nur Bilder vom Oxararfoss, die offensichtlich im Sommer aufgenommen wurden. Einen derartig zugefrorenen Wasserfall hab ich bis dahin noch nie gesehen. Es war ein ziemlich beeindruckender Anblick. Durch den Fluss im Vordergrund und die einigermaßen schnell vorbeiziehenden Wolken bot sich hier eine klassische Langzeitbelichtung regelrecht an. Also fix die Kamera aufgebaut, den ND-Filter aufgeschraubt und einige wie ich finde ganz ansehnliche Fotos gemacht (siehe Beitragsbild oben).
Ein sehr schöner erster „richtiger“ Urlaubstag, der definitiv Lust auf den Rest gemacht hat.

Weg zum Oxararfoss
Der Weg zum Oxararfoss
Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 2

Tag 2 – Zu Fuß durch Reykjavik

Den ersten Tag wollten wir etwas ruhiger angehen lassen. Auf dem Plan stand also, Reykjavik zu erkunden.
Wie im letzten Beitrag schon kurz angerissen, befand sich unsere Wohnung so ideal gelegen, dass wir unseren rollenden Schuhkarton zumindest vorerst eingeschneit auf dem Parkplatz stehen lassen konnten und stattdessen zu Fuß losgestiefelt sind.

Punkt Nummer 1 auf der To-Do-Liste für diesen Tag war das Perlan. Das Perlan ist Reykjaviks Warmwasserspeicher. Klingt an sich erst mal nicht sonderlich interessant… zumindest wenn man nicht weiß, wie das von Ingimundur Sveinsson entworfene Gebäude aussieht. Die große Glaskuppel, die über den riesigen Wassertanks thront, verleiht dem Gebäude ein fast schon Palast-ähnliches Aussehen und besonders nachts, wenn das ganze Gebäude beleuchtet wird, ist das ein wirklich toller Anblick.
Der Schneesturm der letzten Nacht hatte natürlich auch am Perlan seine Spuren hinterlassen, was sich in sehr schön vereisten Fenstern widerspiegelte.
Um die Glaskuppel, welche durch den Blizzard nun eher wie ein riesiges Iglu aussah, führt eine Aussichtsplattform, von welcher aus man einen tollen Blick auf Reykjavik und ins Landesinnere hat. Dort hatte ich gleich dir Gunst der Stunde für ein kleines Panorama genutzt. Muss schon toll sein, jeden Morgen vor so einer Kulisse aufzuwachen.

Panorama von Reykjavik
Panorama von Reykjavik vom Perlan aus

Im obersten Stockwerk des Perlan befindet sich zudem ein Drehrestauraunt, in welchem wir aber aufgrund der recht hohen Preise nichts bestellt haben.
Ebenfalls im Gebäude befinden sich zudem seit 2017 das „Museum der Naturwunder Islands“ inklusive eines künstlichen Geysirs und eines künstlichen Gletschers. Zudem war die Eröffnung eines Planetariums für für 2018 geplant. Ziemlich beeindruckend für einen schnöden Wasserspeicher, stimmts? 😀
Museum und Planetarium konnte zwar damals noch nicht bewundert werden, der Geysir allerdings war schon vorhanden und bot einen kleinen Vorgeschmack auf die „echten“ Geysire, welche ich später noch besuchen wollte.

Kleiner Funfact: Das Perlan versorgt nicht nur die Stadt mit Warmwasser, sondern im Winter auch die beheizten Gehwege und Straßen. Richtig gelesen, in Island gibt es beheizte – und somit eisfreie – Straßen und Gehwege, selbst im tiefsten Winter. Und alles mit komplett grüner Energie.

Vom Perlan aus ging es weiter zur berühmten Hallgrímskirkja. Die ikonische Kirche hat sicher jeder schon einmal auf Bildern gesehen. Sakralbauten reizen mich für gewöhnlich nicht sonderlich – vor allem wenn sie wie in diesem Fall eher schlicht und modern sind – aber ab und an kann man schon mal eine Ausnahme machen und Überprüfen ob man beim Betreten von heiligen Boden in Flammen aufgeht 😀
Der eigentliche Grund die Kirche aufzusuchen (und den recht happigen Eintrittspreis zu zahlen), war natürlich der phantastische Blick auf Reykjavik, welchen man von der Turmspitze aus genießen kann. Hier liegt einem die Stadt wortwörtlich zu Füßen. Die Aussicht war wirklich fantastisch.
Direkt vor der Kirche befindet sich eine Statue von Leif Erikson, dem aus Island stammenden Wikinger, der im 10. Jhd. als erster Europäer den amerikanischen Kontinent entdeckte und betrat.
Die nächsten Stops waren das Rathaus und der Innenstadt-See. Anschließend ging es zum Saga-Museum, auf welches ich mich schon im Vorfeld sehr gefreut hatte. Für 2200 Kronen (circa 15 €) bekommt man dort einen wirklich tollen Einblick in die historische Geschichte Islands und die Besiedlung dieser wunderschönen Insel.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in einer Touri-Info und dem Besuch in einem kleinem Supermarkt ging es zurück in die Ferienwohnung, wo es an die Planung der nächsten Tage ging.

 

Perlan
Perlan
Leif Erikson
Leif Erikson
Reykjavik
Blick auf Reykjavik vom Turm der Hallgrímskirkja
Hallgrímskirkja
Hallgrímskirkja
Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 1

Tag 1 – Anreise mit Hindernissen

Eine ganz schön lange Zeit ist es nun schon wieder her, das ich aus Island zurück bin. Genauer gesagt gute drei Jahre 😀
Da der Blog aber jetzt erst entstand und ich zudem gerade in einer ziemlichen Abenteuer- und Schreib-Laune bin, konnte ich gar nicht anders, als jetzt – trotz all der dazwischen liegenden Zeit – noch einen kleinen Reisebericht über meine erste Reise in dieses traumhaft schöne Land zu schreiben.
Island ist einfach eines der schönsten Länder der Erde und bisher definitiv eines der absoluten Reise-Highlights für mich. Ich glaube, auf kaum eine Reise hatte ich mich bis dahin so wahnsinnig gefreut und zugleich akribisch vorbereitet wie auf den Trip nach Island. Wochenlang habe ich im Vorfeld nach den tollsten Sehenswürdigkeiten und Photospots recherchiert, Routen herausgesucht und To-Do-Listen erstellt. Um es schon einmal vorweg zu greifen: Natürlich kam es nicht dazu, dass die Liste komplett abgearbeitet und alles erlebt werden konnte. Das ist aber ja fast immer so.

Leider haben uns oftmals das Wetter oder die im Vorfeld etwas unterschätzten Fahrtzeiten einen Strich durch die Rechnung gemacht, weswegen wir letztlich leider ohne Photos vom Kirkjufell, dem Diamondbeach oder gar den Nordlichtern zurück kamen. Aber das war lediglich ein winziger Wermutstropfen, denn der Trip an sich war natürlich dennoch unfassbar toll und schreit nach vielen Wiederholungen. Doch der Reihe nach.

Start der Reise war der zehnte März. Mit anderen Worten: In Island war fast noch tiefster Winter. Der komplette Norden der Insel war mehr oder weniger abgeriegelt, das Inland im Winter für Normalsterbliche sowieso unpassierbar und die Witterungsbedingungen noch wechselhafter als sie es in Island ohnehin immer sind. Warum also Anfang März und nicht im Sommer? Zwei eigentlich ziemlich nachvollziehbare und recht offensichtliche Gründe gab es dafür. Zum einen natürlich den Preis. Flug, Unterkunft und sämtliche Aktivitäten sind – wie überall – in der Nebensaison um ein vielfaches günstiger. Der andere Punkt sind die Touristenmassen… leider hat sich Island vom einstigen Geheimtipp mittlerweile zum Ziel des Massentourismus entwickelt. Eine Entwicklung, die sowohl den Isländern als auch Leuten wie mir, die primär auf eine wunderschöne, unberührte, fast menschenleere Landschaft hoffen, etwas sauer aufstößt.
Natürlich gibt es Vorteile für das Land, denn der Tourismus spült unwahrscheinlich viel Geld in die Kassen. Allerdings sind zwischenzeitlich mehr Touristen als Einheimische auf der Insel und einstige phantastische, nahezu unberührt wirkende Spots werden von Menschenmassen vermüllt, beschädigt und schlicht überrannt.
Positiv jedenfalls, dass in den Wintermonaten der Massentourismus zumindest etwas zurückgeht und man nicht aller drei Meter auf eine riesige chinesische Reisegruppe stößt, die von einem Sightseeing-Spot zum nächsten gepeitscht wird 😀

Aber zurück zum Wesentlichen. Los ging es wie gesagt am 10. März. Nach einer gemütlichen Fahrt von Chemnitz zu einem im Vorfeld gebuchten Stellplatz in Berlin-Waltersdorf und der anschließenden Fahrt mit dem Shuttleservice waren wir endlich am Flughafen Berlin-Schönefeld angekommen. Das Einchecken lief mehr oder weniger ereignislos, während es beim Security-Check schon etwas abenteuerlicher wurde. Während sich bei meinem Bruder lediglich versichert wurde, ob dieser Deutsch spricht und versteht (WTF? 😀 ) wurde bei mir das volle Programm abgezogen. Durchleuchtung, Abtastung, komplette Rucksack-Kontrolle, Inspektion der Photoausrüstung, Abstriche von Fingern und Handflächen um Sprengstoff (oder Drogen?) nachweisen zu können, Intensivkontrolle meines Personalausweises usw. … Wohlgemerkt auf dem Hinflug! Nach Island! Ich kam mir vor, als käme ich gerade aus Syrien und wolle in die USA einreisen… Aber auch diese Sicherheitskontrolle war irgendwann mal vorbei und wir konnten uns endlich in den Wartebereich begeben. Dort angekommen dauerte es aber nicht lange, bis uns die nächste Hiobsbotschaft erreichte…

WOW Air Flugzeug

Aufgrund eines Sturmes in Reykjavík konnte unser Abflug nicht planmäßig 12:35 Uhr erfolgen, sondern wurde auf 15 Uhr verschoben. Nicht zu ändern, trotzdem doof. Gegen 15:15 Uhr konnten wir dann aber endlich abheben. Der Flug mit der isländische Billigairline WOW air war an sich recht angenehm und die Airline an sich kann ich eigentlich auch nur empfehlen. Zumindest für einen Kurzstreckenflug (Regelflugzeit nach Island sind ca. 3,5 Stunden) gab es hier nichts auszusetzen.
Allerdings wurde unsere Anreise weiterhin ein wenig vom Pech verfolgt. Über Island herrschte nach wie vor ein heftiger Sturm, weswegen unser Flug von einigen Turbolenzen begleitet wurde. Das störte aber an sich nicht weiter. Weitaus unangenehmer war aber, dass unser Flugzeug nach der Landung aufgrund des sich langsam zum Blizzard entwickelndem Sturmes nicht ans Gate andocken konnte, da die heftigen Winde die Maschine so sehr zum Schaukeln brachte, dass die Gefahr bestand, mit den Tragflächen irgendwo anzustoßen und ersthafte Schäden zu verursachen.
Ganze 5 Stunden verbrachten wir also letztendlich in der mitten auf dem Rollfeld stehenden Maschine und mussten uns ordentlich durchschütteln lassen. Trotz aller Bemühungen der Stewardessen, uns die Wartezeit mit Gratis-Snacks und Getränken so angenehm wie möglich zu gestalten, zogen sich diese fünf Stunden sehr, sehr lange hin… vor allem da die vor dir sitzende Gruppe junger Russen die Zeit damit tot schlug, den in kleinen Sprite-Flaschen eingeschmuggelten Vodka zu leeren und zunehmend lauter und „lustiger“ wurde.
Irgendwann legte sich der Sturm zum Glück ein wenig und wir konnten endlich andocken.

Schnell das Gepäck einsammeln und noch fix einen Mietwagen bei europcar holen… Einen Suzuki Swift – Ausführung „besonders winzig“, quasi eine Sardinen-Büchse auf Rädern. Egal, Hauptsache billig. Wir wollten bzw. konnten ja ohnehin nicht ins Hochland und dachten uns, das Geld für einen großen, geländetauglicheren Wagen können wir uns getrost sparen. Die Ringstraße sollte ja im Regelfall immer gut befahrbar sein. Schon die Hinfahrt zum Hotel allerdings ließ daran aber erste Zweifel aufkommen^^

Zwar war der Sturm mittlerweile nahezu abgeklungen, allerdings waren die Spuren noch deutlich zu erkennen. Während der gut 50 minütigen Autofahrt vom Flughafen Keflavík nach Reykjavík kamen wir an vielen vorübergehend verlassenen Autos und Bussen vorbei, teils im Straßengraben, teils mitten auf der Straße stehend. Was hier genau ablief, konnten wir leider nicht herausfinden. Es sah beinah so aus, als ob alle Autofahrer spontan anhalten und irgendwo Schutz suchen mussten. Sehr gespenstisch, zumal wir wirklich komplett allein auf der Straße unterwegs waren. Es war also schon ein mulmiges Gefühl in dieser rollenden Nussschale vorbei an all den verlassenen Autos nachts durch den leise rieselnden Schnee zu fahren. Trotz alledem kamen wir schließlich gegen circa 0:30 Uhr wohlbehalten an unserer Ferienwohnung an. Von der Wohnung bin ich übrigens jetzt noch begeistert. Riesengroß, super eingerichtet und wirklich alle Sehenswürdigkeiten von Reykjavík waren zu Fuß erreichbar. Vorerst freuten wir uns aber in erster Linie auf die Betten.