Färöer-Inseln, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Färöer – Teil 3

Langzeitbelichtung vom Fossá-Wasserfall

Der schwarze Sandstrand von Tjørnuvík

Der zweite Tag begann leider wenig verheißungsvoll. Es regnete wie aus Eimern. Ein Tag im Hotel kam natürlich trotzdem nicht in Frage. Wir erinnerten uns an das alte nordische Sprichwort: „Wenn Dir das Wetter nicht gefällt, warte 15 Minuten.“
Wie so oft, sollte es auch diesmal recht behalten.

Vom Hotel aus waren es nur rund zwölf Kilometer bis zum Sornfelli, einem 40 km² großem Bergplateau auf welchem sich in in 725 m Höhe eine große Wetterstation befindet. Von dort aus soll man einen tollen Blick auf das Plateau und die gesamte Region haben. Schnell wurde aber klar, dass dieses Ziel zum damaligen Zeitpunkt unerreichbar war. Schon auf halben Weg Richtung Wetterstation wandelte sich der Regen in starken Schneefall, die Straßen wurden zunehmend vereister und irgendwann war letztlich einfach gar kein weiterkommen mehr möglich. Es half alles nichts, wir mussten umkehren – so viel Vernunft musste sein.

Stattdessen ging es weiter in den kleinen Ort Vestmanna wo im örtlichen Supermarkt ein paar Lebensmittel besorgt wurden. Anschließend zeigte sich wieder einmal, wie unfassbar wechselhaft das Wetter in dieser schönen Region doch sein kann. Als wir in den Supermarkt gingen, regnete es noch recht stark. Als wir aber wieder herauskamen, war bereits wieder strahlender Sonnenschein. Völlig verrückt. Aber sehr motivierend, denn es stand noch so einiges auf dem Plan für den Tag. Das Ziel war der äußerste Norden der Hauptinsel Streymoy, denn dort gibt es so einiges zu entdecken.

Den Anfang machte ein kleiner, namenloser Wasserfall am Wegesrand, welcher wortwörtlich aus dem Nebel hervorbrach. Trotz nun wieder leichten Regens musste hier also erst einmal ein kleiner Foto-Stop eingelegt werden.

Wasserfall im Nebel
Wasserfall im Nebel

Dann ging es weiter Richtung Norden, genauer gesagt Richtung Tjørnuvík, einem ganz besonderem kleinen Ort an der Nord-Ost-Küste von Streymoy. Nicht einmal 70 Einwohner sind dort zuhause und trotzdem wird er regelmäßig von ganzen Scharen an Touristen aufgesucht. Der Grund ist der wunderschöne schwarze Sandstrand in der Bucht von Tjørnuvík. Der Ort selbst ist bis auf die Bucht komplett von einer Bergkette umgeben, aus welcher diverse Wasserfälle herabkommen und im Ort einen Fluss bilden. Dieser wiederum fließt dann durch den Sandstrand ins Meer.

Aufgrund des Wetters hatten wir den Strand fast komplett für uns allein. Super. Aber auch hier zeigte sich das färörische Wetter wieder sehr launig. Wie aus heiterem Himmel setzte plötzlich ein unfassbar heftiger Hagelschauer ein. Man konnte sich nur schnellstmöglich ins Auto zurück flüchten und warten. Keine zehn Minuten später war der Spuk dann genauso plötzlich wieder vorbei, wie er angefangen hatte.

Sandstrand in Tjørnuvík
Sandstrand in Tjørnuvík

Ein Sandstrand ist eine zeitliche Seltenheit auf den Färöer, denn in den meisten Fällen sind die Strände auf den Inseln mit riesigen Steinen übersät, was ein Anlandung mit dem Schiff natürlich extrem schwierig macht. Diese Besonderheit bemerkten im 10. Jahrhundert offenbar auch die Wikinger, denn in Tjørnuvík wurde bei Ausgrabungen unter anderem das Grab einer Wikinger-Frau gefunden. Sieht man sich den schwarzen Sandstrand einmal genauer an und ruft sich die typischen Langboote der Wikinger ins Gedächtnis, dann wird schnell klar, warum der Ort damals ein sehr günstiger Anlegeplatz gewesen sein muss.

Beim Blick in die Bucht fallen einem natürlich sofort die beiden großen Steinsäulen im Meer auf. Selbstversändlich gibt es auch eine nette kleine Sage aus der Wikingerzeit dazu.
Die beiden Basaltsteinsäulen heißen „Risin og Kellingin“ (übersetzt „Der Riese und sein Weib“) und sind eines der bekanntesten Naturdenkmäler der Färöer.
Neben der Steilküste Eysturoys wirken die beiden Felsnadeln schon beinahe zierlich. Risin ist aber immerhin stolze 71 m und Kellingin 69 m groß. Die Klippe mit dem Berg Eiðiskollur ist allerdings ganze 352 m hoch.

Tjørnuvík
Tjørnuvík, im Hintergrund Risin & Kellingin

Der Sage nach stammen die beiden Riesen (bzw. Trolle) aus Island. Um ihr Reich zu vergrößern fassten sie den Entschluss, die Färöer-Inseln zu erbeuten. Sie wateten durch das Meer und versuchten, die Inseln mit einem großen Seil zu vertauen und anschließend nach Island zu ziehen. Aber dies war mit großen Schwierigkeiten verbunden, denn der Bergsockel war fest und die Inseln nicht leicht zu bewegen. Sie versuchten es die ganze Nacht, hatten aber für die Vorbereitungen zu viel Zeit benötigt.
Im selben Augenblick als sie sich auf den Rückweg begaben, der Riese voran und hinter ihm das Trollweib, stieg die Sonne aus dem Meer empor und versteinerte die Beiden an Ort und Stelle.
Dort stehen sie heute noch und blicken sehnsüchtig ihrer Heimat entgegen, ohne sie jemals wieder erreichen zu können.

Nach etlichen Fotos ging es nun aber weiter zu einem weiteren Highlight im Norden der Hauptinsel: Dem Fossá.

Fossa-Wasserfall
Der Fossá-Wasserfall

Der Fossá ist der größte Wasserfall der Färöer und ergießt sich in zwei Kaskaden aus 140 Metern von einer Klippe herab. Als eine der größten Attraktionen der Färöer ist der Wasserfall natürlich sehr stark besucht. Auf den kleinen Parkplatz davor passen mit viel Glück vielleicht vier Autos – Glück für uns, denn als wir dort ankamen, standen nur drei weitere Autos dort.

Der Wasserfall selbst ist jedenfalls wirklich schön. Bei besserem Wetter soll es wohl sogar möglich sein, bis zur ersten Stufe hinaufzuklettern, wo man einen wirklich tollen Blick haben soll. Aufgrund des Regens waren die mit Moos überwachsenen Steine jedoch viel zu rutschig, weswegen ich mir lieber einen schönen Platz am Fuß des Wasserfalls für meine Bilder gesucht habe.
Vom Fossá aus ging es schließlich weiter in Richtung Gjógv, einem kleinen Ort an der Nord-Ost-Küste der Insel Eysturoy.

Gjogv
Die als Hafen dienende Felsspalte von Gjógv

Gjógv, was übersetzt soviel wie Felsspalte heißt, verdankt seinem Namen einem kleinen, auf natürliche Weise entstandenen Hafen. Dieser befindet sich – Überraschung – in einer Felsspalte, unmittelbar neben dem Dorf und hat bereits zu Wikingerzeiten die anlegenden Boote vor der rauen See geschützt.

Von Gjógv aus ging es anschließend weiter zurück Richtung Funningur. Ungefähr auf halber Strecke gibt es einen mehr oder minder geheimen kleinen Pfad, welcher auf die Bergkette hinauf führt und dort ein schier atemberaubendes Panorama bietet. Diesen inoffiziellen Viewpoint wollte ich unbedingt besuchen. Bereits bei meinen ausgiebigen Recherchen in Vorfeld der Reise hatte ich Bilder des dänischen Landschaftsfotografen Mads Peter Iversen bestaunt, welcher diesen tollen Fotospot durch seine Bilder mehr oder weniger bekannt gemacht hat. In seinem Blog gibt er Details samt GPS-Koordinaten und Erklär-Video preis, wodurch auch wir den Pfad recht schnell gefunden hatten. Der Himmel war mit schönen Wolken verziert, es regnete nicht und die Sonne sollte bald untergehen. Die perfekten Vorraussetzungen für atemberaubende Landschaftsfotos – wäre da nicht der unfassbar starke Winde gewesen.

Sonnenuntergang Funningur
Sonnenuntergang beim Rückweg vom Funningur-Viewpoint

Wir wollten es aber trotzdem versuchen und machten uns an den rutschigen und sehr steilen Aufstieg. Der Wind wurde hierbei immer heftiger, teils war es unmöglich, noch einen Fuß vor den anderen zu setzen. Es war, als würde man gegen eine Wand laufen. Wir suchten uns Schutz hinter einigen Felsen und überlegten ein Weilchen. Selbst wenn wir es bis zum Bergrücken schaffen sollten… Wollten wir bei diesen Windstärken wirklich an einer Steilklippe stehen, von der es über 100 Meter tief hinab ging?! Ich muss gestehen, hier habe ich wirklich sehr mit mir gerungen. Ich wollte wirklich unbedingt diesen fantastischen Blick genießen und mit eigenen Augen sehen, was ich sonst nur auf den fantastischen Fotos von Mads bestaunen konnte. Das hatte ich mir vor der Reise felsenfest vorgenommen. Aber dafür einen Unfall riskieren? Letztlich haben wir beschlossen, den Rückzug anzutreten. Der Berg und vielmehr der Wind haben uns hier eindeutig in unsere Schranken gewiesen. Ein klein wenig entschädigt wurde ich dann aber zumindest beim Abstieg, denn auch das gegenüberliegende Bergmassiv ist recht schön und bot mit der durch die Wolken brechenden Abendsonne und der sich durch den Berg schlängelnden Straße ein schönes Motiv – wenn auch nicht ganz so spektakulär wie der leider nicht erreichte Funningur-Viewpoint ;P

Fjord
Einer der vielen Zwischenstopps auf dem Rückweg zum Hotel

Nach dem gescheiterten Versuch, den geheimen Aussichtspunkt zu erreichen, machten wir uns auf dem Heimweg. Hier wurde wieder einmal deutlich, wie unfassbar toll es ist, unabhängig und mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein. Sieht man einen interessanten Punkt, eine tolle Landschaft oder sonst etwas interessantes, hält man einfach an oder macht einen kurzen Umweg. Niemand schreibt einen vor, wann man wo zu sein hat. Toll. So bot sich uns auf dem Rückweg mehrfach ein wahnsinnig toller Ausblick auf die wunderschöne Landschaft der Färöer.
Teils haben wir auf einem nur wenige hundert Meter Straßenabschnitt mehrfach angehalten, weil es so unfassbar viel zu bestaunen gab.

Auf dieser Strecke haben wir dann auch einen Schneehasen entdeckt, der Gräser mümelnd am Straßenrand saß. Wie es aber oftmals so ist – eh das Teleobjektiv aufgeschraubt und das Auto zum Stillstand gekommen war, hatte das flauschige Langohr seine Pause schon beendet und ist in davon gespurtet. Schade, aber so ist das bei Tierfotos nun mal. Trotzdem hatten wir einen schönen und ereignisreichen Tag hinter uns.

Im nächsten Beitrag nehme ich euch dann mit zum Sørvágsvatn, dem großen, über dem Meer schwebenden See. Seid gespannt 😉

Färöer-Inseln, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Färöer – Teil 2

Der ikonische Wasserfall von Gásadalur

Weiter geht es mit meinem kleinen Färöer-Bericht. Nachdem ich also eine eher turbulente Anreise hinter mir hatte, dafür aber mit einem unfassbar tollem Sonnenaufgang entschädigt wurde, konnte das Abenteuer also nun so richtig losgehen.
Da es noch viel zu zeitig war um im Hotel einchecken zu können, ging es erst einmal in das circa 12 Kilometer von Tórshavn  entfernte kleine Dorf Kirkjubøur. „Klein“ ist hier durchaus keine Untertreibung, schließlich besteht Kirkjubøur nur aus einigen wenigen Häusern, einer Kapelle und einer Kloster-Ruine. Das war schon einmal ein kleiner Vorgeschmack auf die anderen Dörfer, die man verstreut auf den Färöer-Inseln findet. Viele davon sind nur von wenigen Menschen bewohnt und eher abgelegen. Wie abgelegen das teils sein kann, sollte dann später am Tag noch richtig deutlich werden…
Sehr bezeichnend für die Färöer sind übrigens die schwarz gestrichenen Häuser mit ihren mit Gras- und Moos bewachsenen Dächern. Quasi die Färöer-Version des typischen Schweden-Häuschens. Die bepflanzten Dächer dienen übrigens der Temperaturregulierung. Im Winter verhindern sie ein Auskühlen der Häuser, im Sommer verhindern sie zu viel Eindringen von Wärme. Ein komplett ökologische Klimaanlage quasi. Und das seit hunderten von Jahren.

Kirkjubor
Kirkjubor

Langsam wurde es Zeit, doch mal das Hotel aufzusuchen und das Gepäck zu verstauen. Aber zuerst stand noch ein kleiner Besuch im hübschen,  historischen Regierungsviertel von Tórshavn an, welches sich auf einer kleinen Landzunge mitten im Hafen befindet (siehe Foto im letzten Beitrag).
Anschließend noch schnell im nächsten Supermarkt etwas zu essen besorgt und dann endlich ab ins Hotel und erst mal frisch gemacht. Lange hab ich es dort natürlich nicht ausgehalten und so ging es nun los, das erste Highlight meiner To-Do-Liste ansteuern. Das Dorf Gásadalur und seinen ikonischen Wasserfall. Also rein ins Auto und ab auf die Insel Vágar, die sich westlich von der Hauptinsel Streymoy befindet. Die Inseln sind fast alle problemlos zu erreichen. Nach Vágar kommt man von der Hauptinsel beispielsweise ganz bequem per Unterseetunnel. Ungefähr eine Stunde braucht man mit dem Auto, um von der Hauptstadt in das abgeschiedene Dörfchen zu kommen.
Und hier möchte ich gern an die Anspielung von weiter oben anknüpfen, denn das Dorf mit gerade einmal 19 Einwohnern war bis vor kurzem noch der Inbegriff der Abgeschiedenheit.

Múlafossur-Wasserfall
Blick auf Gásadalur und den Múlafossur

Bis Anfang des 21. Jahrhunderts galt Gásadalur als einer der isoliertesten Orte Europas, da das Dorf nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreichbar war. Erst 2003 wurde ein Tunnel gebaut, durch welchen der Ort auch ans Straßennetz angebunden werden konnte. Bis dahin führte der Weg in die Außenwelt nur über einen beschwerlichen Pfad über einen Bergpass in mehr als 400 m Höhe. Auch die Post kam bis dahin nur auf diesen Wege ins Dorf.
Es gibt einen alten Bootsanleger, der von den Einwohner aber aufgrund von ungünstigen Strömungen längst nicht mehr genutzt wird. Stattdessen war er bis vor einiger Zeit ein bevorzugter Fotospot, denn er ist die einzige Stelle, von der aus man einen Blick von Meereshöhe aus auf den bekannten Wasserfall Múlafossur hat. Der Wasserfall stürzt sich unmittelbar vor dem Dorf über eine Steilklippe mehr als 30 Meter tief ins Meer hinab. Kein Wunder, dass er eines der am meisten fotografierten Motive der Färöer ist.

Geplant hatte ich eigentlich, auch ein Foto vom ehemaligen Anlegesteg aus zu machen. Leider ist die im zweiten Weltkrieg von den Briten gebaute Treppe hinunter zum Meer mittlerweile aber teilweise eingestürzt und vom jetzigen Besitzer gesperrt worden. Es konnten also nur Bilder von der Klippe oberhalb aus gemacht werden. Das typische Färöer-Bild hatten wir damit aber trotzdem schon einmal im Kasten. Leider hatte sich der Sonnenuntergang an diesem Tag nicht so präsentiert, wie ich es mir gewünscht hätte. Trotzdem sind die Bilder ganz schön geworden, finde ich 🙂

Mykines
Sonnenuntergang über Mykines (von Gásadalur aus)

Gásadalur bedeutet übersetzt übrigens „Gänsetal“, was auf die vielen Wildgänse zurückzuführen ist, die hier früher einige Monate im Jahr verbrachten. Durch den immer weiter voranschreitenden Massentourismus lassen sich aber leider immer weniger dort blicken…

Für mich ging es nun jedenfalls erst einmal zurück ins Hotel und endlich in ein Bett auf festem Boden 😀
Auf dem Rückweg konnte man in einiger Entfernung auch schon ein weiteres Highlight und Must-See der Färöer bestaunen. Den natürlichen Triumphbogen Drangarnir – quasi das Instagram-Motiv schlechthin. Der Drangarnir stand natürlich auch auf meiner Liste an Dingen, die ich unbedingt einmal live (und natürlich von nahem) sehen wollte. Ob das geklappt hat, erfahrt ihr dann in einem der folgenden Beiträge.

Drangarnir
Der Drangarnir zwischen Vágar und Tindhólmur

Zum Abschluss noch ein kleiner Abstecher ins Reich der Sagen…

Auf dem Rückweg zur Hauptinsel Streymoy kommt man automatisch am großen See Sørvágsvatn (bzw. Leitisvatn) vorbei, dem größten See der Färöer-Inseln. Unmittelbar am Ufer steht dort eine abwechselnd bunt beleuchtete Statue eines sich majestätisch aufbäumenden Pferdes. Wer sich ein wenig in der nordischen Mythologie auskennt, der weiß, dass es sich hierbei keinesweges um ein harmloses Geschöpf handelt…

Die Statue verkörpert nämlich den Nykur (in Island Nennir und in Schottland Kelpie genannt). Dieses magische Wesen bewohnt (je nach Sage und Region) ein fließendes oder stehendes Gewässer und lockt arglose Wanderer mit seinem schönen Aussehen an. Berührt er die Nykur jedoch oder steigt gar auf den Rücken des Wasserpferdes, zieht dieses ihn in die Tiefe und verspeist ihn dort.
Je nach Überlieferung gibt es zwei Möglichkeiten mit dem Wassergeist fertig zu werden. Entweder man schafft es, ihm ein Zaumzeug anzulegen – in diesem Fall muss die Kreatur einem zu Diensten sein. Oder aber man nennt seinen Namen, wodurch es seine magischen Fähigkeiten verliert.

Kelpie
Kelpie im Sørvágsvatn

Der färörischen Sage nach spielte am Ufer des Sørvágsvatn eine Gruppe von Kindern aus dem nahen Dorf Sørvág. Der Nykur erschien in Gestalt eines wunderschönen Pferdes und trabte eine Zeit lang am Ufer entlang. Die Kinder erblickten es und wollten das schöne Tier unbedingt streicheln und mit ihm spielen. Sie kletterten auf den Rücken des Geschöpfes woraufhin dieses sofort zurück in Richtung des Sees galoppierte um die Kinder dort zu fressen. Das Jüngste der Kinder aber, welches es nicht geschafft hatte, auf den Pferderücken zu gelangen, rief verzweifelt nach seinem Bruder Niklas. Da das Kind aber noch nicht richtig sprechen konnte, brachte es lediglich hervor: „Nika, Bruder!“
Der Wassergeist jedoch dachte, er hätte seinen Namen gehört und verlor seine Kräfte wodurch die Kinder entkommen konnten.

Eine schöne Gute-Nacht-Geschichte, oder? 😀
Im nächsten Eintrag lest ihr dann unter anderem von diebischen Trollen aus Island und dem wunderschönen schwarzen Sandstrand Tjørnuvík. Bleibt gespannt.

Färöer-Inseln, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Färöer – Teil 1

Im März diesen Jahres stand ein weiteres Reise-Highlight für mich auf dem Plan: Die Färöer.
Eine kleine Inselgruppe mitten im stürmischen Nordatlantik. Harsch, rau, wild… und wunderschön. Wie schon zu meinem Island-Trip möchte ich in den nachfolgenden Blogeinträgen eine Art Urlaubstagebuch führen. Auf diese Weise könnt ihr nicht nur einen groben Einblick in dieses tolle Land gewinnen, sondern bekommt auch ein wenig „meine“ Art des Reisens und Urlaubmachens mit. Pedantisch wie ich bei so etwas nun einmal bin, hab ich auch hier natürlich wieder wochenlang im Vorfeld recherchiert; Highlights herausgesucht und Routen festgelegt 😀

Tag 1 & 2 – 48 Stunden Anreise…

Wie kommt man eigentlich auf diese kleinen Inseln, die da irgendwo im Nirgendwo zwischen Norwegen und Island liegen?
Nun, allzu viele Möglichkeiten gibt es nicht. Tatsächlich gibt es von Deutschland aus keinerlei Direktflüge nach Tórshavn, die Hauptstadt der Färöer-Inseln. Man könnte theoretisch von Dänemark, Norwegen oder Island aus fliegen. Auch von Frankreich, Belgien und natürlich Großbritannien aus gibt es wohl Flüge.
Allesamt aber sehr teuer und zudem natürlich auch alles andere als direkt vor unserer Haustür… Es war seinerzeit schnell klar, dass es auf die einzige Alternative hinauslaufen würde: Die Autofähre von Dänemark aus.
Tatsächlich gibt es hier auch nur einen einzigen Anbieter. Die Fährgesellschaft Smyrilline fährt von Dänemark aus regelmäßig über die Färöer nach Island und wieder zurück. „Smyril“ ist übrigens der färöische Name für den Merlin, den einzigen auf den Inseln heimischen Greifvogel und gleichzeitig die kleinste Falkenart Europas.
Wie fast alle Fähren im skandinavischen Raum weist auch die Smyrilline einige Annehmlichkeiten auf. Restaurants, ein Kino, Outdoor-Whirlpools und vieles mehr. Klingt nicht übel, oder? Zunächst musste aber erst einmal der Fähranleger in Dänemark erreicht werden. Ganze 12 Stunden im Auto galt es also erst einmal zu überstehen, bevor die eigentliche Reise überhaupt starten konnte…
Irgendwann war aber auch das überstanden und die Norröna stach pünktlich in See.

Fähre Smyrilline
Die Fähre Norröna

Der alte Mann und das Meer…

Wenn ich für etwas überhaupt nicht gemacht bin, dann ist das definitiv das Meer. Allein die Vorstellung davon, dass da unter einem hunderte, wenn nicht tausende Meter nichts ist außer Wasser… Da läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Die absolute Horrorvorstellung für mich ist ja, mitten im Meer über Bord zu gehen. Wahrscheinlich würde ich eher vor Panik sterben als zu ertrinken. Nicht falsch verstehen: Ich liebe es, dass Meer zu sehen. Aus sicherer Entfernung, vom Land aus 😛
Die großen Fähren sind aber natürlich sehr sicher und liegen für gewöhnlich auch sehr ruhig im Wasser, weswegen man darin eigentlich kaum merkt, dass man mitten auf dem Meer ist. Wie wir wissen, bestätigen Ausnahmen jedoch die Regel. Wie auch schon bei der Hinreise nach Island wollte mir auch diesmal das Wetter die Anreise wieder nach allen Regeln der Kunst vermiesen. Und so fuhr unser Schiff direkt in den schlimmsten Seesturm den ich bislang erleben musste. Über 8 Meter hohe Wellen, Windstärken jenseits von Gut und Böse, ununterbrochener Regen. Man kann das mit einer Achterbahnfahrt vergleichen, bei der man schon nach der zweiten Kurve merkt wie einem übel wird und man genau weiß, man hat noch viel vor sich – in meinem Fall ganze 36 Stunden! Ich habe die Anreise also lediglich in meiner Kabine gelegen und gehofft, dass dieser Albtraum bald vorbei ist 😀

Nach anderthalb Tagen auf stürmischer See legte die Fähre dann endlich in Tórshavn an. Früh um fünf, kurz vor einem unfassbar schönen Sonnenaufgang, der beinahe die Strapazen der letzten zwei Tage vergessen ließ.
Das große rote Haus auf der kleinen Landzunge ist übrigens das Parlament und Regierungsgebäude der gesamten Färöer.

Thorshavn
Ankunft in Tórshavn

48 Stunden Anreise. Zu einer Inselgruppe, die so gesehen nur einen Steinwurf von er schottischen Küste entfernt ist. In dieser Zeit reisen andere Leute wortwörtlich ans andere Ende der Welt. Aber hey, irgendwo gehört so etwas ja zu einem Abenteuer auch dazu. Und wenn ich daran denke, was ich an den darauf folgenden Tagen erleben durfte, war es das auch definitiv wert.

Die Anreise mit der Autofähre hat natürlich auch viele Vorteile. So hat man hier natürlich im Regelfall das eigene Auto dabei und muss sich keinen völlig überteuerten Mietwagen beschaffen. Zudem kann man sich das Auto mit Lebensmitteln voll laden und muss somit auch nicht in teure Restaurants oder Lebensmittelmärkte gehen. Man ist noch flexibler und ungebundener und das ist ein enormer Pluspunkt. Als wir also in der noch etwas verschlafenen Hauptstadt anlegten, konnte direkt das Hotel angesteuert werden. Da es aber noch viel zu früh zum Einchecken war, konnten wir erst einmal die Gegend erkunden. Ein paar Minuten vom Hotel entfernt gab es auch schon den ersten Fotospot. Und dann kam der Sonnenaufgang. Es sah so unfassbar toll aus, wie sich dieser rote Feuerball langsam aus dem Meer und hinter den kleinen, teils noch schneebedeckten Hügel erhob. Das war mal ein schöner Willkommensgruß.

Der Start ins Färöer-Abenteuer war also durchaus schon einmal gut. Wie es weiterging, lest ihr dann im nächsten Beitrag.

Sonnenaufgang
Sonnenaufgang am Ankunftstag

 

Deutschland, Sachsen, Wandern

Wanderung auf dem Malerweg – Teil 2

Zu Fuß von Hohenstein nach Ostrau

Nach einer recht ungemütlichen Nacht ging es nach einem kleinen Frühstück auch direkt weiter.
Nachdem wir das Zelt abgebaut und unser Marschgepäck soweit fertig gemacht hatten, verließen wir den Campingplatz in Richtung Bärengarten.
Auf dem Weg machten sich hier schon die ersten Folgen des zurückliegenden Gewaltmarsches bemerkbar. Während der Rest größtenteils unbeschadet blieb, beklagte Felix hier bereits die ersten Blasen an den Füßen, was wohl seinem leider nicht idealen Schuhwerk zuzuschreiben war.
Aber es nützte alles nichts, wir mussten weiter. Also Zähne zusammengebissen und weiter den Malerweg entlang Richtung Brandaussicht. Dort konnten wir einen fantastischen Blick über das Polenztal genießen.
Weiter den Malerweg entlang erreichten wir anschließend den Ort Kohlmühle, wo wir die erste Rast des Tages einlegten und ein kleines Restaurant besuchten. Kohlmühle selbst ist ziemlich hübsch. Viele der Häuser sind bereits über 200 Jahre alt und somit verströmt der Ort ein herrlich idyllisches Flair.
Entlang der Sebnitz führte der Weg anschließend über ausladende Felder und brachte uns teils sehr nah an die hiesigen Bewohner heran…

Kuh auf Feld
Begegnung mit den Einheimischen

Am Ende des Tals ging es dann wieder steil bergan. Gute 150 Höhenmeter galt es bis Altendorf zu erreichen. Altendorf selbst ist das eigentliche Ziel von Etappe 3 des Malerweges. Für uns ging es aber noch ein Stückchen weiter.  Durch ein wirklich schönes, relativ lichtes Waldstück ging der Weg nun wieder leicht bergab. An einem größerem Felsvorsprung machten wir noch einmal eine letzte Rast bevor wir schließlich durch eine sehr steile und recht  enge Klamm gute 150 Höhenmeter in Richtung Kirnitzschtal und Ostrau hinabstiegen. Nach einem letzten Stück auf einem parallel zur Straße verlaufenden Waldweg erreichten wir schließlich unser Tagesziel: Den schönen, aber leider völlig überrannten Zeltplatz an der Ostrauer Mühle.

Nachdem wir tatsächlich noch ein freies Fleckchen für unser Zelt gefunden hatten, konnten wir den Tag entspannt ausklingen lassen. Im zum Zeltplatz gehörenden Restaurant gab es ein leckeres Abendessen und – noch viel wichtiger – gutes Bier. Anschließend kamen wir noch mit einem ganz in der Nähe von uns campenden Pärchen ins Gespräch. Janik (Yannick?) und seine Freundin waren ebenfalls auf dem Malerweg unterwegs. Tatsächlich hatten wir die beiden bereits am Abend zuvor, auf unserem Campingplatz in Hohenstein getroffen. Die Zwei waren uns also immer ein paar Stunden voraus. Sie erzählten uns, dass sie – anders als wir – den kompletten Malerweg bezwingen wollten und darüber hinaus auch boofen (übernachten unter freiem Himmel) wollten.

Wanderung zur Hohen Liebe
Auf dem Weg nach Ostrau

Bonus: Runderwanderung zur Hohen Liebe

Nach einer überraschend erholsamen Nacht wollten wir uns eigentlich an unserem letzten Tag noch die vierte Etappe vornehmen. Leider kam es anders, denn Felix‘ Probleme mit seinen Schuhen oder vielmehr den Blasen an seinen Füßen war nun noch viel schlimmer geworden. Es war so schlimm, dass er tatsächlich kaum noch richtig laufen konnte. Wir überlegten schon, ob wir nicht direkt abbrechen und den Heimweg antreten sollten, fanden dann aber noch eine kleine Rundwanderung in unmittelbarer Nähe, die nicht allzu lang und auch nicht allzu schwierig war. Nachdem die geschundenen Füße mit allem verbunden wurden, was unser Sanikasten so hergab, verließen wir Ostrau in Richtung des Rundwanderweges zur Hohen Liebe. Trotz der Strapazen der letzten Tage haben wir die auf knapp 400 Metern liegende Spitze und den Aussichtspunkt erreicht. Dort bot sich uns ein wirklich toller Ausblick. Auch das sich auf dem Gipfel befindende Denkmal zu Ehren verunglückter Bergsteiger war sehr schön. Bei unserem Abstieg fing es nun auch langsam an zu regnen. Wie sich später herausstellen sollte, war dies bereits der Vorbote eines heftigen Gewitters. Für uns allerdings hieß es nun voerest Abschied vom Malerweg zu nehmen. Mit Kirnitzschtalbahn und später Zug fuhren wir gen Heimat.

Das Fazit nach drei tollen Tagen: Der Malerweg ist wirklich eine unfassbar schöne Mehrtagestour, die optisch so einiges zu bieten hat. Die Etappen sind durchaus fair, so das auch Einsteiger keine großen Probleme haben sollten. Raststätten und Einkehrmöglichkeiten gibt es reichlich, die Wege sind meist gut ausgeschildert und bieten trotzdem einen schönen Mix aus entspanntem Wandern und Abenteuerfeeling.

Wir überlegen nun, ob wir nächsten Jahr vielleicht von unserem eigentlichem Ziel (dem Schwarzwald) abrücken, und stattdessen die noch fehlenden Etappen des herrlichichen Wanderweges rund durch die fantastische Sächsische Schweiz in Angriff nehmen.

Aussichtspunkt Hohe Liebe
Ich, auf dem Aussichtspunkt der Hohen Liebe

 

Deutschland, Sachsen, Wandern

Wanderung auf dem Malerweg – Teil 1

Zu Fuß von Pirna nach Hohenstein

Mindestens einmal im Jahr mache ich mit drei guten Freunden einen Wanderausflug irgendwo in Deutschland. Für gewöhnlich fällt dieser Trip auf das lange Pfingstwochenende, da hier das Wetter meist recht angenehm ist und niemand von uns Urlaub nehmen muss. Sehr gute Grundvoraussetzungen also.
Nachdem wir in den vergangenen Jahren bspw. den Harz und die fränkische Schweiz unsicher gemacht hatten, stand diesmal ein etwas näher gelegenes, dafür aber nicht minder schönes Ziel auf dem Plan: die sächsische Schweiz, unser landschaftliches Juwel mehr oder minder direkt vor unserer Haustür.

Allerdings sollte es diesmal nicht auf einzelne Tagesauflüge hinauslaufen. Wir hatten uns vorgenommen, mal wieder eine richtige Mehrtagestour zu absolvieren. Und was hätte sich hierfür besser angeboten, als der Malerweg, einer, wenn nicht sogar DER schönste Wanderweg Deutschlands.
Er verläuft von Pirna über Rathen und Hohenstein bis nach Schmilka an der Grenze zu Tschechien und führt anschließend wieder zurück nach Pirna.
Der Weg ist insgesamt knapp 112 km lang und in 8 teils recht anspruchsvolle Etappen gegliedert. Es war also bereits im Vorfeld klar, dass wir innerhalb der kurzen uns zur Verfügung stehenden Zeit niemals den kompletten Weg geschafft hätten. Stattdessen haben wir uns grob überlegt, was eventuell schaffbar wäre und wollten dann spontan entscheiden, wann und wo wir am letzten Tag die Wanderung abbrechen würden.

Blick auf Rathen
Blick auf Rathen und die Elbe

Etappe 1 – Von Liebethal nach Wehlen

Los ging es an einem Freitag Nachmittag, wo ich mit Felix und André vom Hauptbahnhof Chemnitz über Dresden nach Pirna fuhr. Angekommen in unserer Unterkunft für die erste Nacht, dem Jugendgästehaus Liebethal, trafen wir dann auch auf Eric, womit unsere Wandergruppe vollzählig war.
Nach einer recht kurzen Nacht ging es am nächsten Morgen direkt nach dem Frühstück auch schon los. Unweit der Unterkunft beginnt der Malerweg im Liebethaler Grund, welcher allerdings aufgrund von Steinschlaggefahr vollständig gesperrt war. Auch das sich dort befindende Richard-Wagner-Denkmal war somit nicht zugänglich.
Stattdessen mussten wir einen kleinen Umweg über Mühlsdorf in Kauf nehmen. Die Strecke dahin kannten wir bereits, da wir dort am Vorabend ein Dorffest besuchten und dort das ein oder andere Bier tranken.
Von Mühlsdorf aus ging es durch Wälder und Felder weiter Richtung Uttewalder Grund. In der Schlucht haben sich herabgestürzte Felsblöcke an einer besonders engen Stelle verkeilt und so das berühmte Felsentor gebildet. Angeblich hatte Caspar David Friedrich hier einst mehrere Tage lang einsam und allein verbracht, um die düster-romantische Stimmung aufzunehmen.
Im Uttewalder Grund haben wir dann eine kurze Rast im über 200 Jahre alten Gasthof „Waldidylle“ eingelegt. Nach der Pause ging es weiter in Richtung Wehlen. Hier kommt man zuvor noch am Teufelsgrund vorbei, einen Abstecher in Heringshöhle und Teufelskammer haben wir aber diesmal nicht gemacht.

Im Ort angekommen, haben wir zunächst einmal die Überreste der alten Burg angeschaut und den fantastischen Blick auf das malerische Wehlen genossen.
Hier endet Etappe 1 des Malerweges. Viele Wanderer übernachten hier in Wehlen bevor Sie am nächsten Tag die zweite Etappe in Angriff nehmen. Wir hatten allerdings schon im Vorfeld beschlossen, am ersten Tag auch noch die zweite Etappe zu bewältigen und somit ging es direkt weiter.

Wehlen
Blick auf Wehlen

Etappe 2 – Von Wehlen nach Hohenstein

Nach einem kurzen Wegstück entlang der Elbe ging es zurück in den Wald und kurz darauf an den teils recht steilen Anstieg zur Bastei. Hier trafen wir „Bootsmann“, einen Golden Retriever, welcher einem ebenfalls wandernden Pärchen gehörte und sich hin und wieder zu unserer Gruppe gesellte.
Obwohl wir letztlich vielleicht nur circa 30 Minuten mit ihm verbrachten, wurde er doch irgendwie zum Maskottchen unserer gesamten Wanderung 😀
Nach dem steilen Anstieg und dem Abschied von unserem vierbeinigen Freund haben wir uns erst einmal ein kühles Bier in der Waldgaststätte „Zum Steinernen Tisch“ gegönnt. Bis hier hin hielten sich trotz des fantastischen Wetters die Menschmassen noch in Grenzen – wohl weil unsere Route doch ein wenig anspruchsvoller war als die anderen, teils sehr leichten Wege hinauf zur Bastei. Kurz gesagt: Der Andrang war enorm…

Die Basteibrücke
Die Basteibrücke

Zur Bastei selbst mache ich vielleicht nochmal einen gesonderten Beitrag, schließlich verbinde ich mit dem Aushängeschild der Sächsischen Schweiz eine innige Hassliebe 😀
Nichts desto trotz ist es natürlich immer wieder schön da oben und jedes Mal eine Reise wert. Nach den obligatorischen Fotos ging es vorbei an der Felsenburg Neurathen hinab ins Tal. Am Amselsee vorbei, Richtung Amselfall. Auf einen Abstecher zu den Schwedenlöchern haben wir verzichtet, generell kann ich einen Besuch dort aber nur empfehlen.
Die Amselfallbaude war leider aufgrund von Renovierungsarbeiten komplett geschlossen. Also weiter Richtung Rathewalde. Im Gasthof „Rathenwalder Mühle“ gab es noch eine kleine Stärkung (inkl. eines Whiskeys, den uns der Wirt freundlicherweise spendierte) und von dort aus zum Hockstein, von wo man eine tolle Aussicht auf das Polenztal genießen kann. Anschließend kamen wir einem meiner persönlichen Highlights des Trips vorbei: der Wolfsschlucht. Die schmale Felsspalte ist eine der wenigen Möglichkeiten vom Hockstein hinab ins Tal zu kommen. Über eine lange und recht steile Metallgittertreppe erfolgt der Abstieg die Schlucht hinab und vermittelt nochmals ein wenig Abenteuer-Feeling. Leuten mit Höhen- oder Platzangst würde ich aber eventuell einen anderen Weg empfehlen…

Wolfsschlucht
Die Wolfsschlucht

Für uns ging es weiter Richtung Hohenstein. Auf dem Weg dahin haben wir uns allerdings ein wenig verlaufen und mussten einen gut 40 minütigen Umweg in Kauf nehmen. Da wir alle schon etwas erschöpft waren und das Marschgepäck auch immer schwerer auf den Schultern lastete, führte dies nicht unbedingt zu Jubelstürmen. Aber letztendlich half alles nichts. Die letzten Kilometer zogen sich dann – das muss ich ganz ehrlich sagen – zäh wie Kaugummi. Zumal die Strecke durch Hohenstein bis zum Campingplatz auch nicht allzu reizvoll war.
Irgendwann kamen wir aber dann doch an und konnten gegen 20:30 Uhr endlich unser Zelt aufbauen.
Unsere Hoffnung darauf, in einer umliegenden Gaststätte bei einem deftigen Abendessen den Abend ausklingen zu lassen, wurde dann allerdings leider schnell zerstört. In der gesamten Region schien bereits Küchenschluss zu sein. Enttäuschend. Zudem waren scheinbar sämtliche Taxifahrer der Region mit einer großen Hochzeitsgesellschaft ausgebucht…
Aber unverhofft kommt oft und so fanden wir online dann tatsächlich noch einen Pizza-Lieferdienst, der uns schließlich (nach einer gefühlten Ewigkeit) 4 Pizzen auf den Zeltplatz lieferte. Für günstige 65,00 € …
Trotzdem Shoutout an die Pizzeria aus Pirna, die uns vor dem sicheren Hungertod bewahrt hat 😀

Da der Beitrag schon wieder recht lang ausgefallen ist, beende ich ihn an dieser Stelle. Wie es mit unserer Tour weiterging, erfahrt ihr im zweiten Teil.

Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 8

Sonnenuntergang am Seljalandsfoss

Da war er nun also – der letzte Tag des Island-Trips, und er versprach nochmal einiges. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Es war das Highlight des Urlaubs und wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

Für den Abschluss der Reise hatte ich mir im Vorfeld nochmal einen unglaublich tollen Spot ausgesucht, welchen ich unbedingt noch besuchen wollte, bevor es wieder nach Hause ging: Die Wasserfälle Skógafoss und Seljalandsfoss in Rangárþing im Südteil der Insel.
Im Sommer, bei freien Straßen, braucht man ungefähr zwei Stunden, um von Reykjavík zum Skógafoss zu kommen. Wir allerdings benötigten gute 3,5 Stunden um Islands bekannteste Wasserfälle zu erreichen. Die Straßen waren teils noch recht vereist andernorts durch das Schmelzwasser überaus rutschig. Wirklich schnell kam man also nicht voran. Durchaus positiv stimmte aber, dass das Wetter an diesem Tag recht gut und – noch viel wichtiger – beständig bleiben sollte. Kein strahlend blauer Himmel (aber wer will das schon 😛 ) , angenehme 8° C und kein Regen. Also ein letztes Mal das kleine Mietauto in aller Frühe beladen und raus aus der Stadt Richtung Abenteuer.
Bei der Fahrt Richtung Süden fährt man nochmals an den vielen mit Moos überwachsenen Lavasteinfeldern vorbei, für welche Island so berühmt ist. War wirklich ein toller Anblick, den ich auch gern einmal im Sommer erleben möchte.

Mein Hauptziel war der Seljalandsfoss, an dem man bei der Fahrt zum Skogafoss zwangsläufig vorbei kommt. Da ich den wunderschönen Wasserfall aber unbedingt bei Sonnenuntergang erleben wollte, musste dieser „leider“ zwei Mal angesteuert werden 😀
Beim ersten Halt am Seljalandsfoss bot sich das typische Bild… Menschen, Menschen, Menschen… Der Wasserfall ist mittlerweile sehr leicht zugänglich, der Weg dahin sehr gut ausgebaut. Somit erreichen ihn natürlich auch sehr viele Touristengruppen. Auf der einen Seite sicher schön, da sich nun viele Leute an dem Wasserfall erfreuen können. Wer den Blog aber schon ein Weilchen verfolgt, der weiß aber sicherlich mittlerweile, dass große Touristen-Ansammlungen nicht unbedingt mein Reise-Highlight sind… Aber so ist das eben.
Der Seljalandsfoss ist unter anderem deshalb so beliebt, weil er eine wirklich coole Besonderheit aufweist: Man kann hinter bzw. vielmehr unter dem 66 Meter hohen Wasserfall hindurchgehen. Hinter den Wassermassen hat sich eine Art kleine, offene Höhle gebildet, durch welche man hinter dem Wasserfall entlang laufen kann. Durch die Gischt und das Spritzwasser wird man natürlich trotzdem klitschnass, aber es ist schon wirklich echt cool und ich verstehe, warum der Ort mittlerweile auf der Liste fast jeder Reisegruppe steht.
Wirklich zum Fotografieren kam ich aber hier noch nicht. Zu viele Menschen, die nahezu jeden Bildaufbau zunichte gemacht hätten. Aber das Ziel war ja ohnehin, erst einmal die Location an sich zu „scouten“ und zu sehen, wo man später am Tag dann hoffentlich „das eine“ Foto schießen könnte. Außerdem konnte man so den Ort an sich erst einmal genießen.

An dieser Stelle vielleicht mal ein kleiner „Geheimtipp“:
Unmittelbar neben dem Seljalandsfoss gibt es noch einen weiteren, weitaus kleineren und etwas versteckten Wasserfall. Den Gljúfrabúi, ein echtes kleines Juwel, was (zumindest damals) noch nicht völlig überrannt war.
Der Gljúfrabúi befindet sich circa 700 Meter vom Seljalandsfoss entfernt in einer kleinen, leicht zu übersehenden Felsspalte, in die man auch hineingehen kann und dann quasi in einer Art Grotte mehr oder weniger direkt im Wasserfall steht. Echt toll. Es empfiehlt sich aber, wirklich wasserfeste Kleidung zu tragen…
Wer nicht nass werden will, hat zudem rechts neben dem Zugang zum Gljúfrabúi die Möglichkeit, den Wasserfall trockenen Fußes zu bewundern. Nach einer kurzen Kletterpartie – teils mit Seilen, teils mit Holzleitern – kann man quasi von oben in die Grotte hinein schauen und den Wasserfall bewundern.
Ich selbst habe dort nicht viel fotografiert oder gefilmt, aber dieses Video, das ich auf Youtube gefunden habe, gibt euch einen kleinen Einblick: A „SECRET“ WATERFALL – GLJÚFRABÚI

Skogafoss
Der Skógafoss

Nachdem wir wieder zurück am Auto waren, ging es weiter zum Skógafoss, dem vielleicht bekanntesten und am häufigsten besuchten Wasserfall Islands.
Wie auch der Seljalandsfoss speist sich der Skógafoss aus dem Gletscher Eyjafjallajökull. Unter diesem befindet sich der gleichnamige Vulkan, welcher 2010 mit seinem Ausbruch für eine bis dato nie erreichte Beeinträchtigung des Flugverkehrs in Nord- und Mitteleuropa sorgte. An die Berichterstattung und die oftmals vergeblichen Versuche der Nachrichtensprecher, den Namen des Vulkans korrekt auszusprechen, können sich bestimmt viele noch erinnern.

Der Skógafoss ist ebenfalls extrem leicht zugänglich und wird somit regelmäßig von unzähligen Menschen aufgesucht. Neben den unzähligen Erinnerungsfotos der Touristen werden hier auch sehr viele Hochzeits- und Modefotos geschossen, da der Wasserfall eine stets beeindruckende Kulisse bildet. Natürlich ist der Skógafoss auch aus Instagram nicht mehr wegzudenken. Vermutlich hat jeder schon irgendwann mal Bilder gesehen, in dem einer der angesagten Influencer und Travel-Blogger in der Gischt der sich herabstürzenden Wassermassen vom Skógafoss steht.
Rechts vom Wasserfall führt ein kleiner Pfad hoch zur einer Plattform direkt neben der Klippe. Von dort aus hat man nicht nur einen genialen Blick auf den Wasserfall sondern vor allem auf das komplette Umland. Sehr empfehlenswert.

Zwischen Parkplatz und Wasserfall befindet sich übrigens eine Pferdekoppel wo man relativ nah an die berühmten Island-Pferde herankommt. Mit etwas Glück kann man die zutraulichen Tiere dort sogar streicheln.

Mittlerweile wurde es langsam Abend, weswegen es nun schnell zurück zum Seljalandsfoss ging.
Dort angekommen stellte ich ein wenig erleichtert fest, dass die Touristenmengen längst zurück in ihre Hotels gefahren wurden. Lediglich ein einzelnes Besucherpärchen und ein weiterer Fotograf waren noch am Wasserfall unterwegs. Das Wetter spielte – wie den ganzen Tag bereits – ebenfalls wunderbar mit. Es war trocken, nicht allzu windig und die Wolken waren schön aufgerissen und ließen die untergehende Sonne fast schon malerisch auf die Landschaft strahlen. Fast perfekte Voraussetzungen also.
Den Punkt, von dem auch ich fotografieren wollte, hatte ich ja bereits im Vorfeld festgelegt. Die meisten Bilder werden vermutlich frontal vor dem Wasserfall stehend oder aber sich in der „Höhle“ befindend aufgenommen. Ich wollte es mal etwas anders versuchen und stieg dafür auf den etwas steilen und vor allem sehr schlammig-rutschigen Hügel links vom Wasserfall. Auf diesem steht man dann direkt an der Felswand und kann sowohl den Wasserfall als auch die Landschaft und den Sonnenuntergang perfekt sehen. Das gilt allerdings nur für den Zeitraum (März) in dem ich in Island war. Zu anderen Jahreszeiten macht es durchaus mehr Sinn, sich eher rechts vom Wasserfall zu positionieren. Das aber nur am Rande.
Dort oben verbrachte ich dann eine sehr schöne goldene Stunde bis die Sonne schließlich untergegangen war.
Ein wirklich schöner Abschluss des Tages und des gesamten Urlaubs.

Anschließend ging es zurück zur Ferienwohnung, wo noch schnell alles für die Abreise zusammengepackt wurde. In aller Früh ging es am nächsten Morgen zurück zum Flughafen, wo zunächst das sich bis dato ganz tapfer geschlagene kleine Mietauto abgegeben wurde. Mit einer kleinen Verspätung ging es dann schlussendlich in den Flieger und zurück nach Deutschland.

Es war ein unglaublich schöner Trip in das winterliche Island und ich habe definitiv ein wenig mein Herz an diese atemberaubende, raue und doch so wunderschöne Landschaft verloren. Es war sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich das Land aus Eis und Feuer besuche. Versprochen 🙂

Seljalandsfoss
Seljalandsfoss
Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 7

Abenteuer auf Reykjanes

Nachdem das Wetter am Vortag ein weiteres Erkunden von Island ein wenig verhinderte, konnte es nun endlich wieder hinein ins Abenteuer gehen. Ein straffes Programm stand auf dem Plan und daher ging es wieder sehr zeitig los. Ziel für diesen Tag war die Halbinsel Reykjanes im Südwesten Islands. Wer nicht mit der Fähre sondern wie ich mit dem Flugzeug nach Island kommt, der kommt zwangsläufig in Reykjanes an, denn auf der Halbinsel unweit von Reykjavík befindet sich der internationale Flughafen.

Selbiger hat uns aber natürlich weniger interessiert. Umso mehr natürlich das, was die Halbinsel sonst noch so zu bieten hat – und das ist einiges.
Als erstes ging es in Richtung Reykjanesfolkvangur-Nationalpark direkt zur Küste. Während ja vor allem die endlosen schwarzen Sandstrände im Süd-Osten Islands bekannt sind, besteht die Küste im Süd-Westen primär aus Klippen und vielen großen Steinen, an denen sich die Wellen brechen und in beeindruckender Art und Weise die Kraft des Meeres demonstrieren. Diese Küstenabschnitte gelten als ziemlich gefährlich, da die Strömung unglaublich stark, die Ufer recht glatt/ rutschig und das Meer ziemlich kalt ist… Ideal also, wenn man so nah wie möglich heran will um möglichst gute Fotos machen zu können… 😀

Nachdem die Gegend eine Weile erkundet wurde, fanden wir einen recht ansprechenden Spot – eine kleine Felszunge, die direkt ins Meer ragte. Dort hinzugelangen war gar nicht so einfach, denn der „Weg“ führte nicht nur über die vielen großen und teils recht scharfkantigen Lavasteine, sondern auch immer wieder durch kleinere und größere Meerwasserbecken, die sich wohl bei den Stürmen der letzten Tage und dem extrem starken Wellengang gebildet hatten. War jedenfalls sehr spannend, diese feuchte Felslandschaft zu durchwandern.
Am Zielpunkt – also direkt am Meer – angekommen, kam ich mir auf einmal ziemlich klein vor. Es ist schon ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man diese enormen tosenden Wellen direkt vor einen sieht, wenn sie sich mit enormer Kraft an der Steinküste brechen. Das war auf jeden Fall so ein Moment, wo man einfach erst mal ein paar Minuten gar nichts gemacht hat und nur das Meer betrachtet hat. Einfach einmal kurz zur Ruhe zu kommen, den Kopf frei bekommen oder aber ein wenig in Gedanken zu versinken – dafür war der Ort auf jeden Fall genau richtig. Für Fotos bot sich der Ort aber natürlich auch gut an. Mit kurzen Verschlusszeiten konnte ich zumindest ansatzweise die Kraft des Meeres einfangen. Nach einiger Zeit hab ich aber dann wieder den guten alten ND-FIlter aufgeschraubt und versucht, das Wasser mittels Langzeitbelichtung in Nebel zu verwandeln um ein paar eher mystische Bilder zu machen.

Nass wurde ich hierbei natürlich auch… Wer konnte schon ahnen, dass die Wellen mit dem Einsetzen der Flut plötzlich bis zu meiner kleinen Fotoplattform kommen sollten 😀

Kurze Zeit später haben wir den Küstenabschnitt dann verlassen, da das Wasser wirklich recht schnell stieg und wir natürlich keine unnötigen Risiken eingehen wollten. Also die steinige Strecke zum Auto zurück marschiert und zum nächsten Punkt auf der Tagesliste begeben – der „Brücke über die Kontinente“.

Wie der ein oder andere sicher weiß, liegt Island exakt auf zwei aufeinandertreffenden Kontinentalplatten.
An der exakten Stelle, an der sich die beiden tektonischen Platten begegnen, findet sich eine kleine Schlucht, über welche eine Brücke führt.
An dieser Stelle kann man also wortwörtlich von der eurasischen Platte auf die nordamerikanische und wieder zurück spazieren. Zwischen den beiden Kontinentalplatten kann man übrigens sogar tauchen. In der Nähe der Brücke über die Kontinente befindet sich die mit Wasser gefüllte tiefe Felsspalte, in der regelmäßig geführte Tauchtouren angeboten werden. Für mich ging es aber als nächstes weiter Richtung Gunnuhver, dem „Geothermal Wonderland“. Hierbei handelt es sich um ein Gebiet mit sehr hoher geothermischer Aktivität, welche sich vor allem in Form von brodelnden Schlamm- und Wasserbecken, aufsteigenden Dämpfen und natürlich dem alles überschattenden Geruch von Schwefel und ähnlichen Gasen zeigt. Überall im gesamten Gebiet finden sich hier Warnhinweise. Der Boden ist abseits der Wege teils so heiß, dass er Schuhsohlen schmelzen kann. Ssowohl Wasser als auch die aufsteigenden Dämpfe sind giftig und zu alledem wurde das Gebiet auch noch nach einem bösen Geist benannt, der hier vor 400 Jahren sein Unwesen getrieben haben soll… Das Gebiet von Gunnuhver könnte also genauso gut mitten in Mordor liegen 😀

Besonders markant in diesem Geothermalgebiet waren auch die Farben, die in dem mineralhaltigen Boden zum Vorschein kamen. Völlig surreal war auch, dass man keine 5 Meter von großen Schneewehen plötzlich auf brodelnde Quellen mit Temperaturen von bis zu 100° C stieß. „Das Land von Feuer und Eis“ – es hat schon seinen Grund, dass Island diesen poetischen Beinamen trägt.

Als nächster Punkt auf der Liste stand die Steilklippe Valahnjúkur. Zu dieser Klippe kommt man recht einfach. Man kann quasi fast mit dem Auto heranfahren. Der Pfad hoch zum Aussichtspunkt ist ebenfalls recht leichtgängig. An der Klippe selbst sollte man allerdings Vorsicht walten lassen. Es gibt dort keinerlei Absperrungen oder Geländer. Wenn man unvorsichtig ist, kann es hier recht schnell böse enden… Die Aussicht ist dafür aber wirklich beeindruckend. Direkt vor der Klippe bohren sich – fast schon wie Finger – einige große Steine aus dem Meer. Der größte dieser Felsen ist der Sage nach ein Troll, der beim Fischen von der aufgehenden Sonne überrascht und von dieser zu Stein verwandelt wurde.
Auf diesen Felsen und auch an der Klippe selbst nisten unzählige Möwen, die zusätzlich zum tosenden Meer für einen nicht unerheblichen Lärmpegel gesorgt haben.

Ein paar Meter von der Klippe entfernt steht dann noch eine Statue des letzten großen Auk. Die Auk waren eine im Nordatlantik heimische Vogelart, die bis zu ihrer Ausrottung 1844 auch auf Island heimisch waren und auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Pinguin und Kormoran aussah (allerdings weder mit dem einen noch mit dem anderen verwandt war).

Der vorletzte Punkt, der für diesen Tag noch auf unserer Liste stand, war das Geothermalgebiet Seltún.
Wie beim Gunnhuver gibt es hier große, blubbernde Schlammtöpfe und die typischen farbigen Ablagerungen auf der rotbraunen Erde. Die Fahrt dahin ist etwas abenteuerlich, zumindest wenn man bislang noch nie auf einer der isländischen „Gravel Road“ – einer unbefestigten Schotterstraße – unterwegs war. An sich aber kein Problem.
Am Ziel angekommen leuchten einem die aufgerissenen Hügel in allen erdenklichen Erdtönen von ocker, braun und rot entgegen. Sieht wirklich toll aus und bietet einen schönen Kontrast zum schwarzen Vulkanstein, der große Teile der isländischen Landschaft prägt. Direkt vom Parkplatz aus führt ein markierter Weg (später auch Holzstege) durch das Thermal-Gebiet mit den heißen Quellen und übel riechenden Schlammlöchern.

Das Seltún-Gebiet gehört übrigens zum Krýsuvík-Vulkansystem, welches wahrscheinlich gegen 1340 letztmals ausgebrochen ist, aber – wie man anhand der brodelnden Schlammbecken sehen kann – immer noch sehr aktiv ist.

Zum Abschluss des Tages haben wir dann nochmal den komplett zugefrorenen See Kleifarvatn besucht. Den ca. 97 Meter tiefen See und die gesamte Landschaft um uns herum schienen wir komplett für uns allein zu haben. Keine Häuser und Menschen weit und breit. Einzig die große Eisfläche vor uns und die schwarze Lavasteinlandschaft um uns herum. Hier wurde wieder einmal Islands unglaubliche Weite und die (leider nachlassende) Unberührtheit der Natur sichtbar. Freiheit pur.

Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 6

Ein Tag in Reykjavík

Der heutige Eintrag über meinen Island-Trip fällt ein wenig kürzer aus. Warum das so ist, erfahrt ihr im Laufe des Textes. Die nächsten Einträge werden dann wieder umfassender ausfallen. Versprochen 😉
Nach dem doch recht ereignisreichen Vortag sollte der vierte Tag des Island-Trips deutlich weniger abenteuerlich ausfallen. Aufgrund von extremen Windstärken im kompletten Südteil Islands – aber auch, weil die Strapazen des vorherigen Tages noch etwas in den Knochen steckten – wurde der gesamte Tag in Reykjavík verbracht. Etwas anderes hätte auch wirklich nicht viel Sinn gemacht, denn wer steht schon gern bei derartigen Stürmen an irgendwelchen Klippen herum.
Der erste Trip in den Süd-Osten Islands wurde daher auf den Folgetag verschoben und stattdessen noch etwas Sightseeing in Reykjavík betrieben und Lebensmittel eingekauft.

Zuerst ging es zur Harpa, dem schönen Konzert- und Konferenzhaus von Reykjavík. Das Besondere an diesem Gebäude ist die wabenartige Struktur der aus Kristallglas bestehenden Außenfassade. Durch diese wird das einfallende Tageslicht je nach Intensität und Wetter unterschiedlich gebrochen, was für ein wirklich schönes Licht- du Farbenspiel im Innern sorgt.
Nach der Harpa musste dann erstmal etwas zu Essen her… und da bot es sich natürlich direkt an, den (laut Aussagen des Forbes Magazines) „berühmtesten Hotdog-Stand der Welt“ aufzusuchen, welcher nur zehn Minuten von der Harpa entfernt ist. Die Geschichte zu diesem kleinen Imbiss-Stand ist eigentlich sehr kurz erzählt aber trotzdem recht unterhaltsam: Im August 2004 besuchte der US-Ex-Präsident Clinton Reykjavík und kam dabei an besagtem Stand vorbei. Die Verkäuferin erkannte ihn sofort und bot ihm einen ihrer verschiedenen Hotdogs an. Er bestellte einen, es wurde ein Foto gemacht, welches um die Welt ging und einen regelrechten Hype auslöste. Seitdem scharen sich jeden Tag unzählige Touristen um den kleinen Fastfood-Stand um eines der berühmten Hotdogs zu bestellen. Im Laufe der Jahre gesellten sich auch noch weitere Promis wie bspw. die Band Metallica, diverse Schauspieler aus „Game of Thrones“ und Ben Stiller, welcher damals gerade den fantastischen Film „The Secret Life of Walter Mitty“ auf Island drehte. Alle Stars wurden übrigens auf einer Fotowand neben dem Hotdog-Stand verewigt. Ob die Hotdogs dem Hype gerecht werden, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich hatte einen „ein með öllu“ also einen mit allem: Würstchen aus Lammfleisch, Ketchup, Senf, gebratenen und rohen Zwiebeln, Remoulade und Mayonnaise. Der war ziemlich lecker, dafür aber auch nicht sehr groß. Einen zweiten wollte ich mir dann aber nicht bestellen, denn die Warteschlange war schon wieder auf knapp zwanzig Leute angewachsen…

Harpa
Die Glas-Fassaden der Harpa

Sonst ist an diesem Tag nicht mehr wirklich viel passiert. Noch fix im Bonus, der örtlichen Supermarktkette, eingekauft und zurück in der Ferienwohnung dann Pläne für den nächsten Tag geschmiedet.
Abends ging es dann aber – trotz leichten Regens – doch noch einmal raus. Ich wollte unbedingt nochmal zur bekannten Schiffsskulptur an der Bucht von Reykjavík.
Die Sólfar (dt. Sonnenfahrt) wurde einem Wikingerschiff nachempfunden und steht genau an der Stelle, an der vor vielen hundert Jahren die Wikinger ansiedelten und als erste Siedler Islands einen Hof anlegten. Die Skulptur gehört zu den am meisten fotografierten Motiven von ganz Reykjavík. Aufgrund des nicht gerade angenehmen Wetters hatten wir sie allerdings an diesem Abend ganz für uns allein.

Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 5

Auf den Spuren von Jules Verne

Da saßen wir nun also in unserem kleinen Suzuki und harrten der Dinge, die da noch kommen würden. Um uns herum war alles weiß, mit ganz viel Glück konnte man zu unserer Rechten ab und an mal die Fellswand der Rauðfeldsgjá erahnen… Primär betrug die Sichtweite aber gefühlt nur knapp 50 Meter.
Nach einiger Zeit lichtete es sich allerdings wieder etwas. Wir beschlossen, uns nicht entmutigen zu lassen und setzen uns in Bewegung – Ziel war schließlich nach wie vor, den Kirkjufell zu erreichen.

Einen weiteren interessanten Zwischenstopp hatten wir uns vorab noch herausgesucht. Die Vulkansteinhöhle Vatnshellir, unweit vom Vulkan Snæfellsjökull. Im Schneckentempo ging es nun also immer weiter Richtung Westen. Die Sicht war nach wie vor sehr schlecht und wir mussten wirklich aufpassen, überhaupt auf der Straße zu bleiben. Mittlerweile hatte es auch wieder angefangen zu schneien.

Wie lange wir letztlich für die knapp 13 Kilometer von der Rauðfeldsgjá zur Vatnshellir gebraucht haben, kann ich nicht mehr genau sagen. Es zog sich aber schon ein Weilchen 😀
Durch die schlechten Witterungsbedingungen – aber auch weil ich es zugegebenermaßen schlicht vergessen hatte – haben wir auf dieser Strecke leider verpasst, einen Zwischenstopp am Londrangar einzulegen. Die schönen Basalt-Felsnadeln sollen bei entsprechender Sicht ein wirklich tolles Panorama bieten. Durch Wolken, Schnee und Sturm hätten wir an diesem Tag aber wahrscheinlich ohnehin nicht viel gesehen, daher ließ sich das vorerst verschmerzen. Vorerst ging es also immer weiter die Útnesvegur (der einzigen größeren Straße auf Snæfellsnes) westwärts entlang.

Irgendwann tauchten dann aber am rechten Straßenrand tatsächlich ein kleiner Parkplatz und ein winziges, grün angestrichenes Häuschen auf. Und das Beste: Auf dem Parkplatz standen tatsächlich zwei Autos. Die ersten Hinweise auf Menschen, seit wir am Morgen Reykjavík verlassen hatten 😀
Guter Dinge haben wir unser Auto dann direkt daneben gestellt und uns in das kleine, aber zum Glück gut beheizte Häuschen begeben. Dort trafen wir dann zwei weitere Touristen und Ægir, den Besitzer und Guide, der die Führung durch die Höhle übernehmen sollte. Wir hatten Glück, denn die nächste Tour sollte in ungefähr 15 Minuten starten. Mit 3250,00 Kronen (ca. 24,00 €) pro Person war die Tour zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber wir haben trotzdem nicht lange gezögert und uns von Ægir mit Helm und Grubenlampen ausstatten lassen. Da es unwahrscheinlich war, dass in absehbarer Zeit noch weitere Leute zu unserer Gruppe dazu stoßen würden, haben wir uns nach einer kurzen Sicherheitseinweisung gleich in Richtung Höhle aufgemacht.
Als wir die kleine Hütte verließen, blies es uns aber wortwörtlich beinah um. Der Wind hatte unwahrscheinlich zugenommen und die knapp 50 Meter vom Parkplatz zum Eingang der knapp 8000 Jahre alten Höhle waren ein richtiger Kraftakt.
Der Einstieg in die Höhle selbst erfolgt durch eine ca. 8 Meter hohe Wendeltreppe, zu welcher man durch ein kleines Metall-Silo gelangt. Dieses ist in den schneefreien Monaten problemlos zu erreichen, war bei unserem Besuch aber unter einer mehrere Meter dicken Schneedecke verborgen, in welche die Höhlen-Crew einen schmalen Zugang gegraben hatte.

Vattnshellir Eingang
Der „Zugang“ zum eigentlichen Eingang der Höhle (von innen aus gesehen)

In der Vatnshellir herrscht das gesamte Jahr über eine Durchschnittstemperatur von ziemlich konstanten 6° C. Es empfiehlt sich also definitiv warme Kleidung und vor allem festes Schuhwerk, da der Boden mit sehr viel spitzen Steinen und losem Geröll überseht ist – kein Problem für uns, da wir ja sowieso in Winterklamotten unterwegs waren. Ægir erzählte uns aber, dass er – vor allem in den Sommermonaten – schon des Öfteren Touristen abweisen musste, die die Höhle mit Flipflops oder gar High Heels betreten wollten 😀
In der unteren Etage der Vulkanhöhle, zu welcher man über eine nochmals circa 12 Meter hohe Wendeltreppe gelangt, befindet man sich letztendlich ungefähr 32 Meter unter der Erde. An dieser Stelle sollten wir dann sämtliche Lichter ausschalten und einfach einmal die absolute Dunkelheit auf uns wirken lassen. Das war eine ziemlich coole Erfahrung.
Alles in allem dauerte die Tour knapp 45 Minuten und unser Guide hat uns viele spannende Infos über Vulkansteinhöhlen und deren Entstehung erzählt. Interessant ist die Vatnshellir zudem wegen ihrer vielen abstrakten und teils in den verrücktesten Farben schimmernden Felsformationen. Die Farben würden laut der Erklärung unseres Guides wohl durch eine besondere (für uns natürlich völlig harmlose) Bakterienart entstehen. Diese soll aber recht lichtempfindlich sein, weswegen man sie nach Möglichkeit nicht lange anleuchten oder mit Blitzlicht fotografieren sollte.

Was die Vatnshellir aber letztlich von allen anderen Höhlen abhebt bzw. was sie so bekannt macht, ist die Tatsache, dass sie eine tragende Rolle im 1864 erschienenen Literatur-Klassiker „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ inne hat. In dem bekannten Fantasy-Roman von Jules Verne bildet die Höhle den Zugang zum Mittelpunkt der Erde, welchen Professor Otto Lindenbrock und seine Gefährten mithilfe eines alten isländischen Manuskripts (wieder-) entdecken.

„Steig hinab in den Krater des Sneffels Yocul, welchen der Schatten des Skartaris vor dem ersten Juli liebkoset, kühner Wanderer, und Du wirst zum Mittelpunkt der Erde gelangen. Das hab ich vollbracht.“
– Jules Verne, „Reise zum Mittelpunkt der Erde“

Wir wurden dort unten allerdings weder von Sauriern angegriffen noch kamen wir am Ende der Tour unerwarteterweise plötzlich in Sizilien wieder ans Tageslicht 😀
An sich aber dennoch ein schönes Erlebnis und ich kann einen Besuch in der Vatnshellir definitiv empfehlen – sofern man weder an ausgeprägter Platz- oder Höhenangst leidet oder sich im Dunkeln fürchtet 😉

Vattnshellir
Querschnitt (von nordicvisitor.com)
Die erste Wendeltreppe von innen gesehen

Nachdem die Tour beendet war und wir wieder an die Oberfläche zurückkehrten, folgte aber gleich ein richtiger Dämpfer… Der zuvor schon extrem starke Wind war mittlerweile zu einem unglaublich heftigen Sturm angewachsen. Wir flüchteten uns erst einmal alle in Ægirs kleine Hütte, von wo aus dieser mit den Parkrangern, welche weiter im Nordwesten stationiert waren, Funkkontakt aufnehmen wollte. Kurz darauf dann die endgültige Ernüchterung: Der Sturm sollte schon beinahe Blizzard-artige Züge annehmen. Aufgrund dessen wurde die Straße von der Polizei komplett gesperrt. Eine Weiterfahrt wurde nicht nur verboten sondern wäre zudem unglaublich gefährlich gewesen. Das war nun also das endgültige Aus für meinen Plan, zum Kirkjufell zu gelangen… Die Enttäuschung war natürlich erst einmal ziemlich groß, schließlich sollte das eines der Highlights meines Island-Trips werden. Mit Blick auf unser kleines, definitiv nicht für heftige Island-Winterstürme ausgelegtes Auto beschlossen wir, kein unnötiges Risiko einzugehen und machten uns auf den Rückweg nach Reykjavík. Je weiter wir nach Osten kamen, desto besser wurde auch das Wetter wieder. Es war wie verhext… Auf unserem Rückweg konnten wir glücklicherweise eine etwas andere Route nehmen, wodurch wir nochmals zu einigen schönen Fotospots entlang der Küste kamen und somit der Tag doch noch mit einigen abschließenden Highlights versüßt wurde. Alles in allem ein ereignisreicher und sehr abenteuerlicher Tag, auch wenn er letztlich nicht so ablief, wie ich es im Vorfeld geplant hatte.

Landschaft

Island, Reisen, Urlaubstagebuch

Urlaubstagebuch Island – Teil 4

Whiteout auf dem Weg zum Einsamen Berg

Für den dritten Tag wollte ich dann endlich einen der schönsten Spots Islands und einen ganz besonderen Punkt auf meiner Wunschliste aufsuchen: Den Kirkjufell. Als wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen Islands ist der einsame Berg auf der Halbinsel Snæfellsnes sicherlich vielen schon einmal bei Instagram, Facebook oder in einem Reisemagazin unter die Augen gekommen. Wahrscheinlich meist mit Blick auf den sich unmittelbar davor befindenden Wasserfall Kirkjufellsfoss. Und genau da wollte ich hin, denn dieses Motiv will jeder halbwegs ambitionierte Landschaftsfotograf unbedingt in seinem Portfolio haben – unabhängig davon, dass es schon unzählige Male abgelichtet wurde und längst ein Anlaufpunkt für Instagram-Touris geworden ist.
Der Berg selbst ist so markant und einzigartig, dass er bereits in vielen Filmen und Serien als Kulisse dienen durfte. So war er beispielsweise auch in der HBO Blockbuster-Serie Game of Thrones als „Die Pfeilspitze“ zu sehen (Staffel 7, Episode 6 😉 ).
Es gibt zudem Vermutungen, dass der Kirkjufell J.R.R Tolkien als Inspiration für den Einsamen Berg/ den Erebor (einem wichtigen Handlungsort in den Mittelerde-Büchern) diente. Die Verbindung zu Island in Tolkiens Werken ist übrigens so interessant, dass ich einen entsprechenden Artikel darüber plane. Bleibt gespannt 🙂

Doch vorerst zurück zur Odyssee auf Islands fotogenster Halbinsel.
Snæfellsnes sollte neben dem bekannten Berg auch noch einige andere tolle Sehenswürdigkeiten aufweisen, welche sich idealerweise direkt auf der zuvor herausgesuchten Route befanden. In der Theorie klang es also schon einmal nach dem perfekten Trip.
So klingelte also recht früh der Wecker, unser kleines Mietauto wurde notdürftig vom Schnee befreit und schon konnte die (laut Google Maps) angeblich nur knapp 2, 5 stündige Fahrt gen Snæfellsnes losgehen.
Schon kurz nachdem wir Reykjavik verlassen hatten, fiel aber besonders eines ins Auge: Schnee. Je weiter wir in den West-Teil der Insel vordrangen, desto heftiger schneite es. Ich war trotzdem guter Dinge, schließlich hatte ich den gesamten Urlaub das isländische Sprichwort im Ohr: „Wenn dir das Wetter auf Island nicht gefällt, warte einfach 10 Minuten.“ In der Tat ändert sich das Wetter auf der Insel der Trolle und Elfen wirklich gefühlt mit jedem Wimpernschlag. Und so ließ der Schneefall tatsächlich irgendwann nach und wir konnten die tolle Route genießen. Links von uns das schier endlose Meer, rechts von uns Islands traumhafte Landschaft, herausgeputzt als Winter-Wunderland. Erster Zwischenstopp auf dem Weg zum schönsten Felsklotz Islands war dann nach einiger Zeit die Schlucht Rauðfelsdsgjá.

Raudfeldur
Der Eingang zur Klamm von der Straße aus gesehen

Ziemlich unscheinbar am Straßenrand fand sich irgendwann ein kleiner Wegweiser, welchen man – sofern man nicht weiß, dass in der Nähe ein Seightseeing-Spot ist – locker übersehen würde. Genau wie die Schlucht selbst, welche man vom Auto aus kaum wahrnimmt. Vor allem, wenn wie in unserem Fall alles extrem zugeschneit ist…
Zum Glück hatten wir den Hinweis aber rechtzeitig mitbekommen. Laut Google Maps sollte es sogar eine kleine Zufahrt zur Schlucht geben. Diese war durch die extremen Schneemassen aber unauffindbar, weshalb wir unser kleines, aber sich bis dahin tapfer schlagendes Auto direkt am Straßenrand geparkt hatten. Schnell die Kameras geschnappt und Richtung Schlucht marschiert. Für die knapp 300 Meter von der Straße zum Eingang der Schlucht (bzw. der Klamm wie es wohl fachlich korrekter ausgedrückt wäre) haben wir sicher gute 35 Minuten wenn nicht sogar mehr gebraucht. Der Schnee war teils hüfttief, ein Vorankommen war durch das ständige Einsinken nur sehr langsam möglich. Dazu kam, dass der Schneefall zwar aufgehört hatte, der Wind dafür aber immer mehr zunahm. Zudem hatten die Wolkendecke nun eine sehr starke Dichte angenommen, war nahezu komplett weiß und ohne jegliche Struktur. Das ist nicht nur aus fotografischer Sicht extrem doof (es gibt nichts langweiligeres als ein Foto mit komplett weißem oder aber strahlend blauem Himmel 😛 ) sondern sollte auch ein Vorbote auf das sein, was uns später am Tag noch bevorstehen würde.
Vorerst ließen wir zwei uns davon aber nicht weiter beirren und marschierten weiter auf den Schlund der Klamm zu.
Dort angekommen fiel dann zunächst der stetig ansteigende Lärmpegel auf. Dieser kam aber nicht vom Fluss, der sich in der Schlucht befinden sollte, sondern von den unzähligen Möwen, die an den Steilwänden innerhalb der Klamm nisteten. Während sich im Sommer wohl doch ab und an mal ein Tourist in die Schlucht begibt, war der Anblick von uns zu dieser Jahreszeit wohl doch ziemlich ungewohnt für die Tiere, weswegen einiges Durcheinander in der Kolonie aufkam.

Die Felsen der Schlucht sind teils komplett mit Moos bewachsen, was im Sommer sicher ein wirklich toller Anblick ist. Die Felsen selbst sind aber sehr schroff, der Weg teils sehr unwegsam. Darüber hinaus gibt es in der Schlucht einige recht schmale Stellen. Leuten mit ausgeprägter Platzangst würde ich daher eher von einem Besuch abraten. Für mich war das Erkunden allerdings ein echtes Abenteuer und ich würde die Schlucht liebend gern noch einmal ohne diese ganzen Schnee und Eismassen erkunden. Diese sorgten nämlich nicht nur dafür, dass man mit jedem Schritt damit rechnen musste, in den sich darunter befindenden kleinen Fluss zu treten, vielmehr machten sie bei ungefähr halber Strecke ein Weiterkommen vollends unmöglich. In einem größeren Hohlraum war Schluss, da der Weg durch eine etwas erhöhte aber sehr schmale Felsspalte weiterführte. Diese war aber fast vollständig von Schnee verschlossen. Das war in sofern schade, als dass somit der versteckte Wasserfall, der sich am Ende der Schlucht befinden sollte und den man im Sommer sogar mittels eines sich mitten darin befindenden Seils erklettern kann, nicht erkundet werden konnte. Wir haben uns also mit dem breiten Hohlraum begnügt, welcher aber auch einen tollen Anblick bot. Hier passierte dann allerdings etwas, was glücklicherweise gut ausging, mit etwas Pech aber wirklich übel hätte enden können…

Raudfelsdsgja
Ich in der Rauðfelsdsgjá Klamm

Während wir den Hohlraum erkundeten und Fotos schossen, wurde eine wohl besonders schreckhafte Möwe weit oben im Felsen so sehr aufgeschreckt, dass sie entweder eine Schnee- bzw-Eisplatte oder etwas Geröll vom Fels löste. Es folgte eine typische Kettenreaktion, immer mehr Material geriet in Bewegung und schließlich stürzten etliche Kilo Schnee nach unten. Leider stand mein Bruder zu diesem Zeitpunkt exakt an dieser Stelle und wurde samt Kamera direkt getroffen. Ihm ist wie gesagt glücklicherweise nichts weiter passiert. Nicht auszudenken aber, was passiert wäre, wenn noch mehr Schnee und Eis zu Boden gestürzt wäre. Mitten in der Schlucht, weit und breit keine Menschenseele… Nun ja, da möchte ich nur ungern genauer darüber nachdenken.
Es ist zum Glück nichts passiert und nach einigen coolen Fotos haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Die Wolkendecke wirbelte während unseres Abenteuers in der Klamm einige Male kurz auf, was für eine nette Zeichnung/ Struktur im Himmel und somit schönere Fotos sorgte. So schnell wie die Wolkendecke aufriss, so schnell zog sie sich aber auch wieder zu und nach wenigen Minuten war wieder die undurchdringliche weiße, komplett strukturlose Decke über allem.
Wieder aus der Schlucht heraus machte sich dies dann vollends bemerkbar und zwar in Form von kompletter Leere…
Einen Whiteout hatte ich bis dahin noch nie selbst erlebt, aber als ich aus der Schlucht heraus kam, war sofort klar, warum dieses Wetterphänomenen so berüchtigt ist und keinesfalls unterschätzt werden sollte.
Kleine Erklärung: Als Whiteout bezeichnet man ein Phänomen, welches bei komplett schneebedecktem Boden und stark gedämpftem Sonnenlicht (zB. durch Bewölkung, Nebel oder Schneefall) auftreten kann. Aufgrund des extrem diffusen Lichts (durch die komplett strukturlose, dichte Wolkenschicht) und der damit geringen Leuchtdichte kommt es für unsere Augen zu einer starken Kontrastverringerung. Das komplette Blickfeld scheint gleichmäßig hell zu sein. Das hat ein Verschwinden des Horizontes zur Folge. Boden und Himmel gehen quasi nahtlos ineinander über. Auch Konturen oder Schatten sind nicht mehr erkennbar und der Beobachter hat das Gefühl, sich in einem endlosen weißem Raum zu befinden. Während unter anderen Umständen hier durchaus Vorsicht geboten wäre, war für mich in dem Moment der Anblick in erster Linie nur extrem faszinierend. Es sah einfach unglaublich surreal aus.
Allzu viel passieren konnte in unserem Fall ohnehin nicht. Zum einen hatten wir die Felswand im Rücken, welche uns als Fixpunkt diente, zum anderen war es zum Auto nicht allzu weit. Ein Verirren war also hier eher unwahrscheinlich 😀
Zurück am Auto konnten wir dann überlegen, wie es weitergehen sollte. Schließlich war das Ziel des Tages ja nach wie vor, Snæfellsnes zu durchqueren und zum Kirkjufell zu kommen. Die Sichtweite auf der Straße betrug nun allerdings nicht mal mehr 50 Meter. Es blieb also zunächst erst einmal nichts anderes übrig, als an der vermeintlichen Zufahrt von Rauðfelsdsgjá im Auto zu warten, ob auf das bekannte Sprichwort verlass war und das Wetter vielleicht doch noch umschwang.
Wie das letztlich ausging und was und beim Versuch, den Kirkjufell zu erreichen noch so passiert ist, könnt ihr dann im nächsten Eintrag lesen 😉

Troll
Der Halbtroll Bárður

Zur Rauðfelsdsgjá-Schlucht gibt es übrigens – wie zu nahezu jedem interessantem landschaftlichem Spot in Island – eine aus dem Mittelalter bzw. der Wikingerzeit stammende Sage. So sollen in der Schlucht vor vielen Jahren die Brüder Rauðfeldur und Sölvi mit der Tochter des Halbtrolls Bárður gespielt haben. Der Sage nach verschwand das Mädchen dabei auf mysteriöse Weise. (Es wird angenommen, dass die Saga hierbei auf ein Gewaltverbrechen anspielen soll). Aus lauter Wut über den Verlust seiner Tochter soll Bárður daraufhin die beiden Brüder in die Schlucht hinab gestürzt haben. Gemäß der Erzählung sollen noch heute die Geister der Beiden in der Schlucht ihr Unwesen treiben und für das unerklärliche Verschwinden von ahnungslosen Reisenden verantwortlich sein.